Der Spucker und sein Richter

cache/images/article_1606_pechino_140.jpg Solche Dinge können nur in der hässlichsten Meisterschaft der Welt passieren. Zwei Spieler, Roma-Verteidiger Aleandro Rosi und Napoli-Stürmer Ezequiel Lavezzi, bespucken sich und kommen damit davon. Wohlwissend, dass alle die Aktion im Fernsehen gesehen haben, machen sie nach dem Spiel das Mea culpa.
Matteo Patrono | 04.03.2011
Lavezzi entschuldigt sich sogar beim Schiedsrichter. Die beiden werden mit dem Fernsehbeweis für drei Spiele gesperrt. Gut so, würde man denken. Aber Napoli ist mit der Entscheidung nicht einverstanden, weil sie einen ihrer Schlüsselspieler nicht verlieren wollen. Nicht in einem Schlüsselmoment dieser wunderbaren Saison, in der sie Milan und Inter den Titel streitig machen können. Sie berufen gegen das Urteil, da die körnigen Fernsehbilder keinen zweifelsfreien Nachweis liefern, dass Lavezzi tatsächlich gespuckt habe obwohl alle wissen, dass Lavezzi gespuckt hat. Die zweite Instanz lehnt die Berufung ab und präsentiert eine weitere Filmaufnahme, die den Austausch von Körperflüssigkeiten klar beweist. Gut kombiniert, Watson.

 

Allerdings nicht in Italien, wo das Delegitimieren von Richtern der beliebteste Volkssport ist und das nicht nur in Berlusconis Parlament. Die Taktik ist die gleiche: die Beweise abstreiten und schamlos Blendgranaten zünden. So hat Napoli die Prozessführung beanstandet (die zweite Filmaufnahme sei nicht zulässig) und den Richterspruch als grobe Ungerechtigkeit und gefährlichen Präzedenzfall bezeichnet. Dabei haben sie vergessen, dass die Schuld bei demjenigen liegt, der spuckt nicht bei demjenigen, der das Spucken aufzeichnet.

 

Doch die groteske Episode endet hier nicht, vielmehr dient sie für die beliebten Verschwörungstheorien der Bargespräche. Da die zweiten Fernsehaufnahmen von den Sendern des Cavaliere bereitgestellt wurden, stehe hinter dem Richterspruch die politische Macht von Milan. Aufgrund der Sperre verpasste Lavezzi ausgerechnet das vorentscheidende Spiel gegen Milan. Okay, jeder darf glauben, was er will. Speziell im Land von Calciopoli. Aber war tatsächlich das Spucken von Lavezzi notwendig, um den Italienern zu erklären, was ein Interessenkonflikt ist?

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Heft: 60
Rubrik: Kommentare
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