Für ein Jörg-Haider-Stadion

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Jörg Haider hatte den Bau veranlasst, der jetzt wie ein riesiges Mahnmal wider Größenwahn und finanziellen Hazard an den Ufern des Wörthersees steht. 

Martin Schreiner | 09.03.2016

Das französische Supercupfinale soll am 6. August im Klagenfurter Wörtherseestadion stattfinden. Was nach einer Satiremeldung klingt, ist einem Bericht der französischen Sportzeitung L’Equipe entnommen. Da auch renommierte Zeitungen hin und wieder Fehler machen, wird es vermutlich nie zu diesem Spiel kommen. Wahr ist aber, dass sich die Stadionbetreibergesellschaft um die Austragung beworben hat. Überhaupt erst ermöglicht hat das eine Entscheidung des Klagenfurter Gemeinderats vom 19. Februar. Er beschloss, sechs Anrainern des Stadions insgesamt rund 25.000 Euro an Anwaltskosten zu überweisen.

Sie hatten eine fehlerhafte Umweltverträglichkeitsprüfung bei der Fixierung des Stadionoberrangs moniert und Beschwerde beim Verwaltungsgerichts hof eingebracht. Seit August 2015 war der Oberrang deshalb gesperrt und das Stadion nur für 12.000 Plätze zugelassen. Das Verfahren wurde an den Verwaltungsgerichtshof des Landes zurückverwiesen. Dieses wies die Beschwerde der Anrainer prompt ab. Statt die nächste Instanz anzurufen, ließen sich die Anwohner nun den Rechtsmittelverzicht von der Stadt abkaufen. Der Vergleich ist womöglich der letzte Akt eines langen Streits. Eine Sperre ist vom Tisch, das Stadion darf wieder in vollem Ausmaß genutzt werden – und so wird auch das ÖFB-Cup-Finale im Mai plangemäß in Klagenfurt über die Bühne gehen.

Ein auf Dauer nicht nur schlecht besuchtes, sondern ganz leer stehendes Stadion wäre der finale Akt des Trauerspiels um die für die Europameisterschaft 2008 errichtete Spielstätte gewesen. Es reicht, an den jahrelangen Streit zwischen den Gebietskörperschaften über einen möglichen Rückbau und dessen Finanzierung zu denken. Oder an den Skandal um die Namensrechtsvergabe an die Hypo Alpe Adria, die nach Aussage des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Landesbank, Werner Schmidt, nur ein Ziel hatte: die Zustimmung des damaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider zum Verkauf der Bank an die Bayern LB im Jahr 2007.

Das Gebäude in den ehemaligen Sumpfgebieten des Wörthersees steht nun zumindest rechtlich auf sicherer Grundlage. Mit seiner Kapazität von 32.000 Plätzen ist es für das Einzugsgebiet Klagenfurt dennoch viel zu groß. Ein entsprechender Fußballklub fehlt der Stadt: Die Klagenfurter Austria plagen wie jedes Jahr Existenzsorgen. Und der Bundesliga-Abstiegskandidat Wolfsberger AC lockte zum Spiel gegen den SK Sturm gerade einmal 4.400 Zuschauer in die Arena. Von den leeren Rängen hallten ihre Rufe wie Warnungen vor den rechten Nationalisten.

Mit Jörg Haider hatte deren erfolgreichster Vertreter der letzten Jahrzehnte den Bau veranlasst, der jetzt wie ein riesiges Mahnmal wider Größenwahn und finanziellen Hazard an den Ufern des Wörthersees steht. Möge er zumindest auf diesem Gebiet sinnvollen Nutzen stiften. Vielleicht sollten die Klagenfurter Politiker auch dem Rat von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache folgen. Der sagte 2008 nach Haiders Tod zur APA: „Sie sollten es Jörg-Haider-Stadion nennen. Als weithin sichtbare Hinterlassenschaft des Wirkens von Haider als Kärntner Landeshauptmann.“

Referenzen:

Heft: 110
ballesterer # 121

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