Dergleichen Lamento hat swingender schon ein anderer Fatalist der Winterpause niedergeschrieben: Rainer Maria Rilke. Obwohl von Experten angezweifelt, war Rilke in der Saison 1891/92, er besuchte gerade die Handelsakademie in Linz, ein Freund meines Urgroßvaters Georg Kump. Beide unterhielten schon damals eine große Fußballleidenschaft und fieberten der Gründung des ASK Sparta Linz im Jahre 1920 entgegen. Rainer Maria schenkte Georg später ein Gedicht, das sich seither im Familienbesitz befindet. Seine Authentizität ist wegen der letzten beiden Zeilen umstritten. Aber was sind derlei kleine Zweifel gegen drei Monate ohne Fußball?
Fußballgott, das Spiel ist aus.
Die Herbstsaison war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Matchuhren,
und auf den Rasen lass die Winde los.
Befiehl den letzten Fans, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Matchtage,
dränge sie zu Choreographien hin und jage
die letzte Schusskraft in das schwere Bein.
Wer jetzt kein Stadion hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt Zweiter ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Foreneinträge schreiben
und wird im Irish Pub hin und her
unruhig blicken, wenn die Premier League flimmert.






Das erste spielfreie Wochenende in der Winterpause. Die Vereinswebsite schwelgt noch dem letzten Sieg nach; im Fanforum: Tristesse. Zweifel an der Existenz kommen auf. Ich gehe zum Fußball, also bin ich. Aber kann ich auch sein, wenn ich nicht bin?
erscheint am 12. Juli 2013.
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