Geht's der Wirtschaft gut ...

cache/images/article_1604_pressecorn_140.jpg Die internationale Presse hat sich zuletzt verstärkt den ökonomischen Aspekten des Fußballs angenommen. Ein Überblick über Katar, Financial Fair Play und die 50+1-Regel.
Mario Sonnberger | 04.03.2011
Randnotiz einer unlängst ausgestrahlten deutschen Fernsehsendung: Große Zufriedenheit mit der Vergabe der WM 2022 an Katar. Zur Erinnerung: Das Emirat belegt Platz 137 im Democracy Index 2010, 107 Plätze hinter Südafrika und 30 hinter Russland. Der Grund für den Jubel war die Perspektive deutscher Firmen, große Infrastrukturaufträge in einem Land abzustauben, dessen Wirtschaft fast ausschließlich auf Erdöl und einem protegierten Bankensektor basiert. Die Richtung ist klar: Wenn die Geschäfte stimmen, wird nicht nachgefragt. Damit hat sichs mit der positiven Entwicklung in der Region bis auf ein paar U-Bahnen und Wolkenkratzer vielleicht.

Fair Play
Vom letzten Heft zu diesem, von Arabien nach Europa: Financial Times Deutschland und FAZ widmeten sich vor kurzem dem Thema Financial Fairplay. Diese Maßnahme der UEFA bedeutet, dass ab 2013 nur mehr Vereine in den großen Bewerben am Start sein dürfen, die nicht mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Das Ziel ist die Eindämmung des »Finanzdopings«, der Weg ein massiv verschärftes Lizenzierungsverfahren. Für absurde Budgetlöcher hat der Verband allen voran der Reformator Michel Platini kein Verständnis mehr. Besonders dann, wenn sie von diversen »Gönnern« aus der Reisebrieftasche gestopft werden. Natürlich gibt es Übergangsfristen, und es werden gründliche Prüfungen notwendig sein, um versteckte Finanzkonstrukte aufzudecken, doch die beiden Zeitungen sind sich einig: Die Maßnahme ist schon in Ordnung. Profitieren könnte vor allem die deutsche Bundesliga, die aufgrund ihres »vergleichsweise soliden Wirtschaftens« gute Chancen hat, ihr Niveau zu wahren und damit den abgespeckten Engländern entgegenzutreten.

50 plus 1
Die Konsequenzen, die beide Zeitungen daraus ziehen, sind jedoch gänzlich verschieden. Während die FAZ grundsätzlich skeptisch bleibt, ob das Financial Fairplay mit der notwendigen Härte exekutiert wird, aber gesunden Klubs wie Bayern, Arsenal und Olympique Lyon eine rosige Zukunft prognostiziert, geht die Financial Times den umgekehrten Weg. Sinnlos sei das Ganze, so der Tenor, weil eh nur »getrickst« würde und außerdem keine Chancengleichheit gegeben wäre. Schließlich hätten Werksvereine wie Leverkusen und Wolfsburg sowie Dietmar Hopps Hoffenheim ja jetzt schon Fremdkapital hinter sich. Das »sollte auch anderen möglich sein. Mehr Geld für die Klubs, in denen dann auch mehr internationale Stars spielen könnten, käme allen zugute.« Die Abschaffung der »50+1«-Regel sei demnach die Lösung, also das Ende der Eigenverwaltung der Vereine. Das bedeutet die Öffnung der Klubs für Außenstehende, womit die Hürde wegfallen würde, die Red Bull bei »RasenBall« Leipzig so mühevoll umgehen müsste. Der Lohn des Ausverkaufs: Glückliche »Fans, die sich an der Kunst der Superstars erfreuen«. Ein 08/15-Diktum Blatterschen Ausmaßes. Am Ende bringt es die FAZ auf den Punkt: »Andere sehen dagegen die Aussperrung (derartiger Investoren, Anm.) als letzte Rettung des Fußballs.« Genau.

Referenzen:

Heft: 60
Rubrik: Kommentare
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png