In dieser Herangehensweise fehlt sowohl der Blick auf das Wesentliche, wie auf das Kommende. Die Ursachen von Gewalt in und um Fußballstadien vom gesellschaftlichen Kontext abzugrenzen, ist die Grundlage des öffentlichen Diskurses. Aber wenn bei den Sprachchören von den Rapid-Fans »Panzer durch Afghanistan« fahren, dann ist das ein blendendes Beispiel für die Übertragung des realen Abbilds von Gewalt in den Fansektor. Interessant dazu ein Vergleich in den Berichterstattungen: Ein paar niedergebombte afghanische Hochzeitsgesellschaften machen noch lange nicht so viele Schlagzeilen wie in Panik geratene Freundschaftsspielgesellschaften - unverletzt, wohlgemerkt. Mit einem Doppler zu werfen, gilt in den österreichischen Medien als Gewaltausbruch, mit Bomben zu werfen als notwendiges Mittel der Politik.
Den Ruf nach Repression hat es nach Eisenstadt nicht gebraucht: An Fußballfans werden schon lange jene Instrumentarien angewandt, die auch zum Einsatz kommen, wenn irgendwo in Europa ein internationales Treffen von Politikern und Wirtschaftstreibenden ansteht. Ausreiseverbot, Meldepflicht, Datensammlung, schwarze Listen. In beiden Fällen weiß sich die Exekutive der öffentlichen Meinung sicher. Im Zuge der EM-Bewerbung werden die Zügel noch enger gestrafft. Im Falle des Salzburger Wirtschaftsgipfel wird der Polizeikordon noch enger gezogen.
Die Debatte über solche Maßnahmen zu negieren und mit dem Fingerzeig auf "Gewalt" der Repression einen Blanko-Scheck auszustellen, kann fatale Auswirkungen haben. Nicht nur für Fußballfans.






erscheint am 12. Juli 2013.
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