»Ich kaufe dein Leben«

cache/images/article_2122__mg_8320cmyk_140.jpg Frank Stronachs Deal mit Sturm Graz beschreibt den Zustand des österreichischen Fußballs besser als die UEFA-Fünfjahreswertung. Ein wahlkämpfender Politiker verteilt Geschenke, die dankbar angenommen werden. Marko Arnautovics Spruch zu einem Polizisten erscheint angesichts dessen unter einem neuen Licht.
Jakob Rosenberg | 12.07.2013

Er wolle den Sturm-Fans und den Menschen in der Steiermark eine kleine Freude bereiten, sagte Frank Stronach nach der Ankunft von Robert Beric in Graz. Der slowenische Teamstürmer war der Wunschspieler von Neo-Trainer Darko Milanic, aber Sturm hatte nicht die Mittel, um ihn zu bezahlen. Ein Gespräch mit dem Milliardär löste das Problem: Stronach übernahm Teile der Ablösesumme und des Gehalts.


Der Deal beschreibt den Zustand des österreichischen Fußballs wahrscheinlich besser als jede Europacup-Partie oder die UEFA-Fünfjahreswertung. Ein wahlkämpfender Politiker verteilt großzügige Geschenke, die dankbar angenommen werden. Befürchtungen, von einer Partei instrumentalisiert worden zu sein, hegt bei Sturm anscheinend niemand. »Man sieht, dass ein professioneller Verein wie Sturm Graz ein guter Boden für Investoren ist«, schrieb Manager Gerhard Goldbrich auf der Sturm-Website. Dem Verein kann man mit einem zugedrückten Auge zugutehalten, dass es ihm vermutlich nur um die eigenen Interessen geht. Wenn jemand Unterstützung anbietet, wird sie angenommen. Als Gegengeschäft gibt es PR-Arbeit. So ähnlich war das schon im November des Vorjahres, als Sturm wenige Tage vor der Grazer Gemeinderatswahl dem amtierenden ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl unter die Arme griff. Die Klubverantwortlichen verfassten eine Aussendung, in der es hieß, der Einsatz von Nagl für das Stadionprojekt habe auch unter den Fans eine Unterstützungswelle ausgelöst. Von dem Rückenwind ist nach der Wahl kaum etwas übrig­ geblieben, von dem Stadionprojekt hat man seither wenig gehört.


Wahrscheinlich hat Frank Stronach, als er im August 2012 in die Politik einstieg, an seine Erfahrungen im österreichischen Fußball gedacht. Denn da hatte dank des nötigen Kleingelds alles wunderbar funktioniert. Gut, aus dem Champions-League-Sieg mit der Austria ist nichts geworden, aber immerhin gewann er in Wien-Favoriten zwei Meistertitel. Dazu kamen ein Bundesliga-Aufstieg mit Wiener Neustadt und eine sechsjährige Amtszeit als Bundesliga-Präsident. Damals, 1999, war Stronach mit großer Mehrheit gewählt worden, nachdem er ankündigte hatte, allen Vereinen im Rahmen von Kooperationsverträgen rund 750.000 Euro zu überweisen. Bei der Suche nach Nationalratsabgeordneten für einen Parlamentsklub soll er ähnlich vorgegangen sein. Prämienzahlungen für das Bekenntnis zum Team Stronach wurden mehrfach kolportiert. Der Parteivorsitzende dementiert das und liefert sich mit BZÖ-Chef Josef Bucher deswegen eine gerichtliche Auseinandersetzung.


Stronachs Partei wird aktuellen Meinungsumfragen zufolge nach den Wahlen Ende September in den Nationalrat einziehen. Sein System funktioniert also - im Fußball wie in der Politik. Die größte Bedrohung dafür ist der Milliardär selbst, der seine Vorstellungen von heute auf morgen ändern kann. Wie schwierig das Weiterarbeiten mit zugedrehten Geldhähnen ist, wissen die Fans der Austria und von Wiener Neustadt. Es ist davon auszugehen, dass Sturm-Präsident Christan Jauk sich selbst nicht ganz ernstnimmt, wenn er nach dem Beric-Transfer sagt: »Ich freue mich sehr, dass ich Frank Stronach für den Spitzenfußball in der Steiermark begeistern konnte.« Denn Stronach ist einzig von sich selbst begeistert. Und davon, dass er durch seinen Reichtum in diesem Land nahezu alles machen kann. Es war also kein dummer Spruch, als Marko Arnautovic nach einer Verkehrskontrolle zu einem Polizisten sagte: »Ich kaufe dein Leben.« Er wollte einfach ein österreichisches Erfolgsmodell kopieren.

Referenzen:

Heft: 83
Rubrik: Kommentare
Verein: SK Sturm
ballesterer # 120

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