Kartnigs Endspiel

cache/images/article_1619_ms_q_bea_140.jpg Alle waren dabei, als Kartnig den SK Sturm zum Meister gemacht hat, als es gegen die Wiener und den Rest von Europa Ging, als der Hannes für uns das Geld abgeschafft hat. Ein Anstoß zum Prozess gegen den ehemaligen Sturm-Zampano.
Martin Schreiner | 10.04.2011
Plötzlich ist er wieder da. Hannes Kartnig badet im Blitzlichtgewitter. Seit 10. März steht der ehemalige Sturm-Graz-Präsident am Grazer Straflandesgericht als Angeklagter vor dem Richter. Es geht um Betrug, Krida und Steuerhinterziehung in beträchtlichem Ausmaß. Gut schaut er aus, Schmalzlocke und Anzug sitzen. Es ist wie in alten Tagen. Seine Gattin Claudia wird stolz auf ihn sein. Kein Sturm-Anhänger kann sich ihm entziehen. Sein Prozess zwingt zur Reaktion. Vor zehn Jahren endete die große Erfolgsära bei Sturm Graz. Nun beleuchtet das Strafverfahren die Finanzgebarung hinter diesem Fußballmärchen. Der Erfolg war nicht nur auf Ivan Osims Kombinationsspiel aufgebaut. Hinter ihm steckte das klassische Steuerprinzip des österreichischen Fußballs: brutto = netto. Kombiniert mit einer Insolvenz ist man dann als Funktionär rasch nahe der Verwirklichung von Betrugs-, Krida- und Gläubigerschädigungstatbeständen.


Zehn Jahre ist auch das höchstmögliche Strafmaß für Kartnig. Es geht um viel. Das sollte den Hannes aber nicht stören. Mit Kleinigkeiten hat er sich noch nie zufriedengegeben. Der Hasard hat ihm Erfolg und Niederlagen gleichermaßen beschert. Alle waren dabei, als er uns zum Meister gemacht hat, als es gegen die Wiener und den Rest von Europa Erfolge zu feiern galt, als der Hannes für uns das Geld im Spielercasino abgeschafft hat. Niemand konnte dabei übersehen, was für ein Typ unser Präsident war und ist. Oder will irgendeiner in ihm ernsthaft einen seriösen Geschäftsmann mit dem Steuerrechtskodex unterm Kopfpolster und dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip im Herzen erkannt haben? Graz ist zum Wegschauen zu klein. Hannes Kartnig drängte sich dazu in seiner Maßlosigkeit zu sehr auf. Jetzt sollte deshalb niemand überrascht und empört sein, der vorher mitgefeiert hat. Der Rest von denen, die jetzt frohlocken, sind Anhänger jener Mannschaften, die wir damals besiegt haben.


Freilich, wer gerne Leute mit fragwürdigen Schmähs beleidigt, wer gerne mit dem Rolls-Royce am Gehsteig vorm Grazer Casino parkt, wer im Hawaiihemd vor dem privaten Haifischbecken posiert und der ganzen Welt von seinem Reichtum erzählt, der braucht sich nicht wundern. Schnell waren daher die Medien und der Volksmund nach dem Konkurs mit Beschuldigungen bei der Hand. Kartnig habe Klubmittel für den Eigenbedarf im Casino abgezweigt. Weniger sichtbar waren sie alle, als dieser Vorwurf durch den beauftragten Prozessgutachter schon vor einigen Monaten widerlegt wurde.

 
Dass Kartnig in seinem Cäsarenwahn damals weitgehend darauf vergaß, Sportdirektor Heinz Schilcher, Klubsekretär Gerhard Stroicz und Co. zumindest zu seiner juristischen Absicherung mit in die Zeichnungsverantwortung zu nehmen, könnte ihm jetzt böse auf den Kopf fallen. Wie sie sich im laufenden Verfahren an Kartnig und seiner Sekretärin abputzen, sagt einiges über ihren Charakter.


Um Missverständnissen vorzubeugen: Hannes Kartnig soll zur Verantwortung gezogen werden. Seine Sitten und Umgangsformen waren immer halbseiden. Der Klub und seine Anhänger schienen für ihn nur ein Vehikel für seine Eitelkeit und Großmannssucht zu sein. Er hat Sturm Graz mit seiner Casino-Mentalität fast ruiniert. Seinetwegen verließ Ivan Osim den Verein durch die Hintertür. Wegen seiner Finanzgebarung musste die historische Gruabn verkauft werden. Das sollte Hannes Kartnig durch den Kopf gehen, falls er mit den Krokolederschlüpfern im Versace-Bademantel in seiner Zelle in der Justizstrafanstalt Jakomini sitzen und auf das Gruabn-Areal in seinem jetzigen Zustand hinunterschauen wird.

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Heft: 61
Rubrik: Kommentare
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