Sommerspiele

cache/images/article_2481_jakob2_140_140.jpg Die finanzstärksten Vereine halten die Marktpreise hoch und lassen ihren Konkurrenten so nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie bieten trotz fehlender wirtschaftlicher Basis mit, oder sie verabschieden sich aus dem Wettbewerb.
Jakob Rosenberg | 14.07.2015

Kann Juventus Paul Pogba halten, wechselt Cristiano Ronaldo zu Paris Saint-Germain, kehrt Zlatan Ibrahimovic dann zu Milan zurück? Es ist jeden Sommer das gleiche Spiel: Gerüchte machen die Runde, ein Rekordtransfer nach dem anderen wird vermeldet, der Spielermarkt boomt. An dem Zeitvertreib für die spielfreien Monate beteiligen sich alle: Berater versuchen, den Wert ihrer Spieler durch die richtigen Gerüchte zu steigern – immerhin winkt entweder ein lukrativer Transfer oder eine Gehaltserhöhung; Medien präsentieren die exklusivsten Infos in der schnellsten Zeit – immerhin winken ein gesteigerter Umsatz, die Nennung durch die Konkurrenz und ein Glaubwürdigkeitsgewinn; Sportdirektoren arbeiten demonstrativ an der Verstärkung ihres Kaders – immerhin schüren sie so die Hoffnung, dass nächstes Jahr bestimmt alles besser wird.

 

Ein Spiel mit so vielen möglichen Gewinnern kann nur erfolgreich sein. So erfolgreich, dass die letzten Versuche, den Markt zu regulieren, gescheitert sind. Die UEFA gab Anfang Juli bekannt, dass die Sanktionen bei Verstößen gegen die Financial-Fairplay-Bestimmungen gelockert werden. Die Strafen gegen Manchester City und Paris Saint-Germain wurden aufgehoben. Auch der FC Barcelona kann aufatmen, ihm waren im Vorjahr alle Aktivitäten für die nächsten zwei Transferperioden verboten worden, exekutieren kann das die strafende FIFA aber nicht. Barcelona darf weiter Spieler kaufen, diese allerdings erst ab Jänner 2016 einsetzen. Für den Stürmer Arda Turan kein Hindernis, um von Atletico Madrid zum Champions-League-Sieger zu wechseln.

 

Tatsächlich hat dieses Spiel jedoch viele Verlierer, denn das Beispiel Turan zeigt, wie verzerrt der Wettbewerb ist. Der FC Barcelona kauft den Spieler nicht, weil er ihn benötigt, sondern weil er nicht weiß, was er sonst mit seinem Geld anfangen sollte. Und die Schwächung der Konkurrenz ist ein ausreichendes Motiv, um kolportierte 34 Millionen auszugeben.

 

Dadurch dass die finanzstärksten Vereine die Marktpreise hochhalten, lassen sie ihren Konkurrenten nur zwei Möglichkeiten – entweder sie bieten trotz fehlender wirtschaftlicher Basis mit, oder sie verabschieden sich aus dem Wettbewerb an der Spitze. Beide Varianten können in den Ruin führen. Die erste, weil sich potenzielle Verstärkungen als Fehlkäufe entpuppen können und finanziell lukrative sportliche Ziele wie die Teilnahme an der Champions League verpasst werden. Die zweite, weil die sportlichen Ansprüche von vornherein heruntergeschraubt werden und der Abstand zu den reicheren Klubs immer größer wird.

 

Diese Mechanismen ziehen sich von den europäischen Spitzenklubs hinunter bis in die unteren Ligen – sie funktionieren für österreichische Vereine, die unbedingt in die Europa League einziehen müssen, ähnlich wie für ambitionierte Championship-Klubs in England und abstiegsbedrohte deutsche Zweitligisten. Für die Fans bleibt dabei immerhin, dass sie über ihre Wunschspieler und deren Marktwerte diskutieren und so die Absurditäten des modernen Fußballs bei Namen und Zahlen nennen können.

Referenzen:

Heft: 103
Rubrik: Anstoß
Verein: FC Barcelona
ballesterer # 121

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