Traurige Aussichten

cache/images/article_1557_1c1p5012_140.jpg Die Regionalligen sollen wieder einmal abgeschafft werden. Im Raum steht eine österreichweite dritte Amateurliga mit 16 Vereinen. Nur: wen interessierts?
Reinhard Krennhuber | 03.11.2010
Willi Ruttensteiner war »not amused«, als Anfang Oktober interne Papiere zu einer möglichen Ligareform an die Öffentlichkeit gelangten. Der Technische Direktor des ÖFB hätte die Entwürfe lieber noch in der Lade behalten. Schließlich enthalten sie einigen Sprengstoff, wie die zahlreichen Reaktionen auf die ersten Berichte der Online-Portale der drei Regionalligen zeigten, denen sie zugespielt worden waren.

 

Kurz nach Inkrafttreten der letzten Reform wird also wieder über die Ligaformate diskutiert. Wie schon in der Saison 2008/09 steht der Plan im Raum, die Regionalligen aufzulösen. Nachdem sich für die geplante Aufstockung der zweithöchsten Spielklasse damals keine Mehrheit fand und die Amateurteams der Bundesligisten aus dieser verbannt wurden, soll nun eine österreichweite Amateurliga mit 16 Vereinen die dritte Stufe bilden. Voraussetzung für die Teilnahme: eine Bundesliga-Lizenz; auch den Amateurmannschaften der Erst- und Zweitligisten soll die Tür geöffnet werden.

 

Die Motive liegen auf der Hand: Die letzte Reform war eine Niederlage für die Bundesliga-Teams, die ihre Akademie- und BNZ-Abgänger auf dem höchstmöglichen Level an den Profifußball heranführen wollen. Die Interessen des ÖFB sind ähnlich gelagert, weil der Verband seine Auswahlspieler aus diesem Bereich rekrutiert, die er bestmöglich gefördert sehen will. Ruttensteiner sagte schon im Bundesliga-Schwerpunkt des ballesterer im Juli 2009: »Wenn Akademiespieler in eine Regional- oder Landesliga geschickt werden, ist der Entwicklungsschritt zu gering.«

 

ÖFB-Präsident Leo Windtner, von dem die neue Initiative ausgegangen ist, ist ähnlicher Meinung. »Wenn in der dritten Liga viele Klubs nicht aufsteigen wollen, dann hat der Präsident recht, wenn er sagt, dass wir uns mit dieser Frage beschäftigen müssen«, so Ruttensteiner zum ballesterer. Bundesliga-Sprecher Christian Kircher sekundiert: »Der Übergang zwischen den Regionalligen und der Ersten Liga funktioniert weiterhin nicht.« Die ursprünglich von Austria-Lustenau-Präsident Hubert Nagel stammende Idee sei schon längere Zeit ein Thema in den Gremien, so Kircher. Im heurigen Jahr haben sowohl ÖFB als auch Bundesliga Arbeitsgruppen eingesetzt, die in weiterer Folge die nun öffentlich gewordenen Papiere konzipierten.

 

So weit, so unkonkret: Auch wenn der ÖFB-Präsident hinter der Sache steht, die kolportierte Einführung ab der Saison 2012/13 dürfte kaum zu halten sein. Denn dazu müssten heuer noch Grundsatzentscheidungen fallen. Unrealistisch, wie auch in Ruttensteiners Statement durchklingt. »Wir führen eine Diskussion, mehr ist es im Moment nicht. Wir haben kein Projekt und keine Lösung.«

 

Die auch nicht so leicht zu bewerkstelligen sein dürfte. Denn die Latte an offenen Fragen reicht von der Finanzierbarkeit einer Liga ohne TV-Markt über den Aufstiegsmodus bis hin zur mangelnden Attraktivität für die Zuschauer. Regionale Duelle und Derbys, die den Reiz der Regionalligen ausmachen, würden weitgehend sterben. Und dass die zweiten Teams der Bundesligaklubs keine Fans anlocken, sollte auch zu Liga und ÖFB durchgedrungen sein. Das Ostliga-Spitzenspiel zwischen den Amateuren der Austria und von Mattersburg ging vor 127 Zuschauern über die Bühne. Eine traurige Kulisse und das beste Argument gegen die Reformpläne.

Referenzen:

Heft: 57
Rubrik: Kommentare
ballesterer # 82

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