Roter Ellbogen
Die Funktion eines Schleimbeutels ist etwa die eines Kissens: Die Bursa synovialis polstert knöcherne Vorsprünge aus und sorgt damit für eine gleichmäßige Druckverteilung. Eine Bursitis des Ellbogens kann den ehrgeizigen Sportler aber sicher nicht vom Kicken abhalten. Und so ist es kein Wunder, dass der Auer Peter trotz eines geröteten Dübels am rechten Ellbogengelenk jeden Mittwoch zum Ballestern in den dritten Wiener Gemeindebezirk fährt. Angehaut habe er sich vor einiger Zeit wann genau, könne er nicht mehr sagen. Es habe auch gar nicht so arg wehgetan, nach mehreren Tagen jedoch sei der Ellbogen rötlich angeschwollen und überwärmt gewesen, so der Auer Peter. Beim Doktor war er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Bursitis des Ellbogens kommt im Sport hauptsächlich bei Ringern vor, dem Fußballspiel des Auer Peter eine Ähnlichkeit mit dem Ringsport nachzusagen, wäre obwohl er hie und da das eine oder andere Haxl stehen lässt eine reine Bösartigkeit.
Ganz in Weiß
Eine Woche später meinte der Auer Peter, dass ihm der Doktor etwas rausgezogen und etwas anderes reingespritzt habe. Der Therapieversuch, eine Bursitis zu punktieren und mit Cortison zu behandeln, kann durchaus Sinn machen, aber nur wenn es sich um eine nicht bakteriell bedingte Entzündung handelt, denn sonst spielts infektmäßig Granada im Ellbogen. In der Regel legt der Behandler zuerst kühlende Verbände an, empfiehlt die Einnahme von entzündungshemmenden Pulvern und regt das Ruhigstellen des Gelenks an. Nicht selten bekommt der Patient daher bei einer Schleimbeutelentzündung für ein bis zwei Wochen eine Gipsschiene angelegt, denn die ärztliche Empfehlung »Versuchen S in der nächsten Zeit, den Ellbogen ruhig zu halten« kann man sich bei den meisten Patienten sparen. Hilft das alles nichts, greift der Chirurg zum Messer. Die Entfernung des Schleimbeutels im Rahmen eines kleinen Eingriffs ist die sicherste Methode, die Beschwerden wegzubekommen.
Der Auer Peter, dessen Blut freilich keine Nudelsuppe ist, meint dazu etwas besorgt und abwartend: »Lieber eine Schleimbeutelentzündung als keinen Schleimbeutel mehr.« Freilich soll man den Wert seines Schleimbeutels nicht überbewerten, zumal sich nach dessen Entfernung oft ein Ersatzgewebe bildet, das die Funktion des Schleimbeutels teilweise übernimmt. Bevor sich aus einer akuten eine langwierige chronische Entzündung bildet, ist es wohl ratsam, den lästigen Schleimbeutel zu opfern. Eine chronische Bursitis wäre für den Auer Peter ganz besonders blöd, da er sich in nächster Zeit vermählen wird und bis zum Heiraten soll es dann schon wieder gut werden.






Schleimbeutelentzündung ist kein schönes Wort und auch keine Erkrankung, mit der man angeben kann: Sie ist schmerzhaft, unangenehm, aber meistens bis zum Heiraten wieder gut.
erscheint am 12. Juli 2013.
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