»Wachstumsg´schichtn«
Schmerzhaft ist diese Erkrankung sowohl unter der einen als auch unter der anderen Nomenklatur. Und zwar an jener Stelle, wo die so genannte Patellasehne an der Schienbeinvorderkante ansetzt der Tuberositas tibiae. Die Patellasehne verbindet die Kniescheibe mit dem Schienbein und muss den Druck vom Oberschenkel auf den Unterschenkel übertragen. Eine mechanische Überbelastung des jungen Beins führt zum Ungleichgewicht zwischen Wachstum und Reifung. Beleidigt wird dabei der Knochenkern (Apophyse) und die Verknöcherung gestört. Der Morbus Osgood-Schlatter ist also eine »Wachstumsg´schicht« und kommt beim Erwachsenen nicht vor.
A Kniera
Der eifrige männliche Nachwuchskicker im Alter zwischen 13 und 16 Jahren ist besonders häufig von dieser Verletzung betroffen. Junge Fußballerinnen erkranken zehnmal weniger oft daran, unsportliche Kinder eigentlich gar nicht. Denn der Morbus Osgood-Schlatter verursacht Schmerzen hauptsächlich bei der Bewegung. In Ruhelage macht er nur leichte Beschwerden. Eine lokale Schwellung beziehungsweise eine Rötung am Sehnenansatz sind weitere Symptome.
Beim Draufdrücken tut´s natürlich noch mehr weh, was den jungen Patienten dazu veranlasst, kniende Tätigkeiten, wie das Beten zum Himmelvater oder Fliesen legen, zu vermeiden.
Um dieser Erkrankung vorzubeugen, muss der Trainer für ein abwechslungsreiches Programm sorgen. Einheiten mit starker körperlicher Belastung wie Zirkeltraining oder stundenlange Schussübungen gilt es zur Schonung des Bubenknies zu unterlassen.
Faulenzen
Hat man als Arzt einen Osgood-Schlatter diagnostiziert, ist alles ganz einfach eigentlich. Denn die Therapie ist so simpel wie billig: Ruhe geben und Ruhe bewahren! Schonung und Sportpause heißen die Zauberwörter mit »Sch« am Anfang. Beides ist jedoch für aktive Fußballer nicht immer leicht einzuhalten. Schon gar nicht, wenn ein ehrgeiziger Vater zu erkennen an den neuen weißen Turnschuhen und einem viel zu engen Trainingsjackerl mit dem Trainingsplan am Krankenbett sitzt und es gar nicht erwarten kann, seinen Sprössling wieder über den Platz zu jagen. Auch wenn der Papa von »Zähne zusammenbeißen«, »Muskelschwund» und »U-15-Burgenlandauswahl« palavert, muss man als Arzt die Nerven bewahren und selbiges den Eltern empfehlen. Bleibt der Therapieerfolg wegen mangelnder Regungslosigkeit aus, greift man zu härteren Bandagen. Ein Gips oder eine Schiene stellen das Bein und den Buben für einige Wochen ruhig und die Apophyse wieder her. Eine Operation und jahrelange Knieschmerzen bleiben der Nachwuchshoffnung dadurch erspart.
P.S.: Menschen, denen es grundsätzlich schwer fällt, Ruhepausen einzulegen, steht unser ballestererfm-Layout-Chef mit Anleitungen gerne zur Verfügung.






erscheint am 12. Juli 2013.
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