Das 3-5-2

Die TSG Hoffenheim blieb mit ihrem flexiblen und zentrumslastigen 3-5-2 in der deutschen Bundesliga lange ungeschlagen, der SCR Altach wurde damit österreichischer Winterkönig.

Emanuel Van den Nest | 11.04.2017

Der im zentralen Mittelfeld eingesetzte Andrej Kramaric weicht auf die rechte Seite aus, während Flügelspieler Nadiem Amiri ins Zentrum rückt. Sebastian Rudy, Hoffenheims Spielgestalter, passt auf Höhe des Mittelkreises diagonal zum freistehenden Kramaric, der sich im Dribbling durchsetzt und mit einem Stanglpass Adam Szalai bedient, der im Strafraum neben seinen Mitspielern Sandro Wagner und Amiri zum 4:2 einschießt. Die Laufwege und die Präsenz im gegnerischen Strafraum beim 5:2-Sieg gegen den FC Ingolstadt am 4. März zeigen, warum die TSG Hoffenheim heuer so stark ist. Trainer Julian Nagelsmann hat im Vorjahr ein 3-5-2-System etabliert und darf sich damit zu den Trendsettern in Sachen Dreierabwehr zählen.

Flexible Abwehr und Flügel
In Ballbesitz unterscheidet sich Hoffenheim durch die mit Innenverteidigern besetzte Dreierabwehr von Systemen mit der Viererkette. Die im 3-5-2 vorgezogenen Außenverteidiger geben defensive Verantwortung ab und können ihre Gegenspieler so früher attackieren. Im Spielaufbau kann sich die Dreierreihe in die Spielfeldbreite auffächern, lässt dadurch aber Platz für Konter. Auch bei gegnerischen Seitenwechseln und Diagonalpässen zeigt sich die Dreierabwehr anfällig, weil sie auf der ballfernen Seite Räume freilässt.

Bei Gegenangriffen wird Hoffenheims Dreierabwehr daher häufig durch einen oder beide Flügelspieler ergänzt, um die Breite somit in einer Vierer- oder Fünferkette besser abzudecken. Wird Hoffenheim nach Ballgewinn gepresst, ermöglichen die zentrumslastige Struktur des 3-5-2 und die Freilaufbewegungen der Mittelfeldspieler Anspielstationen für einen Spielaufbau aus der Tiefe. Das verlangt von den Verteidigern ausgeprägte technische Fähigkeiten, wie sie etwa Süle besitzt.

Wer deckt wen?
Von den Flügelspielern wird im 3-5-2 viel Laufarbeit erwartet, da sie die einzigen Spieler sind, die die Außenbahnen dauerhaft besetzen. Kombinationen am Flügel sind also davon abhängig, ob andere Mitspieler auf den Flügel ausweichen. Durch die zwei eher zentral agierenden Stürmer, schafft das Team dafür mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum.

Die Vor- und Nachteile des 3-5-2 ergeben sich auch aus der Formation des Gegners. Spielt dieser mit zwei Stürmern, ist die Dreierabwehr für deren Deckung zuständig. Formiert sich der Gegner im 4-3-3 oder 4-2-3-1, kümmern sich entweder die Flügelspieler um die gegnerischen Flügelstürmer, schränken damit jedoch ihre offensiven Freiheiten ein. Oder die Dreierkette erledigt das und verzichtet auf eine Überzahl, wie sie die Viererkette besitzt. Viele Mannschaften verwandeln ihre Dreierabwehr gegen dominante Gegner deshalb in eine Fünferabwehr. So hielt es auch Damir Canadi in Altach, als er in der Herbstsaison die Ausrichtung seines 3-5-2 stark variierte und je nach Gegner auf defensivere oder offensivere Spielertypen setzte. Ebenso wie Nagelsmann in Hoffenheim zeigte er damit, wie flexibel das System genutzt werden kann.   

Referenzen:

Heft: 121
Rubrik: Taktik Total
ballesterer # 121

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