Backenfutter

cache/images/article_2676_hool_cover_140.jpg Mit Philipp Winklers Buch hat es ein Hooligan-Roman auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Wir haben ihn gelesen.
Stefan Kraft | 17.10.2016

Ja, es war an der Zeit. 20 Jahre nachdem im englischen Sprachraum mit „Awaydays“ und „The Football Factory“ prügelnde Fußballfans Eingang in die Literatur fanden, wendet sich im Debütroman von Philipp Winkler der Hannover-96-Hooligan Heiko Kolbe an die Leser. Dass das Buch ein aussichtsreicher Kandidat für den Deutschen Buchpreis 2016 ist, sagt viel über die Juroren und ihren immer größeren Hunger nach Texten über Außenseiter. Dass Philipp Winkler sich die schwierige Aufgabe gestellt hat, dem Hooligan eine Stimme zu geben, etwas über seinen literarischen Mut.

Fast wäre es ihm gelungen, Heiko so erzählen zu lassen, wie es ein Hooligan eben kann. Würde dabei nicht durchschimmern, dass der Autor einer Schreibschule verpflichtet ist, die Heiko Sätze wie „Der tiefblaue Himmel über uns, durchschnitten von den Stromleitungen und vereinzelten Wolken, die wie kreidene Elfmeterpunkte und Seitenlinien schwebten“ sagen lässt.

Der vom Feuilleton so verzweifelt gesuchten Authentizität schadet aber mehr, wenn Winkler Themen wie Kommerzialisierung und Nazis in den Stadien anhand von angelesenen Sprüchen behandelt: „‚Ja, aber Sitzplätze, Alter‘, sage ich, ‚das’ doch fürn Arsch.‘“ Diese in den Zeilen spürbare Distanz zu seiner Hauptfigur ist es letztlich, die Winklers Werk die Schlagkraft nimmt. 

 Philipp Winkler
„Hool“
(Aufbau 2016)  

Referenzen:

Heft: 116
Rubrik: Rezensionen
ballesterer # 121

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