Das flache Flügelspiel

Flanken in den Strafraum alleine reichen nicht, um über die Seiten erfolgreich angreifen zu können. Romas Flügelstürmer Gervinho dribbelt und kombiniert auch gerne, wodurch sich das Spiel über den Flügel variabel gestaltet.

Emanuel Van den Nest | 12.10.2014

Francesco Totti passt zu Gervinho, der mit dem Ball zunächst die rechte Seite entlang sprintet und dann auf Strafraumhöhe nach innen zieht. Moskaus Außenverteidiger Kirill Nababkin rechnet mit einem Stanglpass auf Alessandro Florenzi und rutscht in den möglichen Passweg. Gervinho aber schlägt einen Haken in die andere Richtung und schießt ins lange Eck. Gervinhos Tor zum zwischenzeitlichen 4:0 der AS Roma gegen ZSKA Moskau im Champions-League-Spiel am 17. September zeigt, wie das Spiel über die Flügel auch flach ausgeführt werden kann.

Dribbling und Pärchen
Eine beliebte Variante des flachen Flügelspiels ist das Dribbling. Spieler wie Gervinho bestechen dabei mit enger Ballführung und Finten. Aufgrund des hohen Risikos eines Ballverlustes dribbelt Gervinho meist nur in Tornähe. Eine andere Möglichkeit bietet die Bildung von Pärchen, für die sich Romas 4-3-3 geradezu anbietet. So bilden etwa Flügelstürmer Gervinho und Außenverteidiger Maicon ein solches Paar, um eine Überzahl am Flügel herstellen und die Abwehr mit einem einfachem Doppelpass aushebeln zu können.

Offensive Freiheiten, wie sie Roma-Trainer Rudi Garcia seinen Flügelstürmern gewährt, besitzen sie in einem 4-4-2 weniger, in anderen Systemen wie dem 3-5-2 existiert die Position gar nicht. In den 1980er und 1990er Jahren wurde der Flügelstürmer deshalb zur Rarität, manche Stürmer wichen zwar ab und zu auf den Flügel aus, besetzten ihn aber nicht dauerhaft. Das Flügelspiel verkam zum reinen Flankenspiel. Die Flanken wurden teilweise schon weit vor Höhe des gegnerischen Strafraums geschlagen, wodurch die Abwehr Zeit hatte, sich in Position zu bringen, während der Ball in der Luft war.

Eindimensionales Flankenspiel
Diese Berechenbarkeit wurde Manchester United in der letzten Saison zum Verhängnis. Unter Trainer David Moyes griff das Team weitgehend mit Flanken an und versuchte dabei kaum, die Seiten mit Dribblings und Kombinationen zu bespielen oder gar durch die Mitte zum Torerfolg zu gelangen. Diese Spielweise hatte schon sein Vorgänger Alex Ferguson forciert, Manchester United wurde berechenbar. Die Gegner lernten, wie sie das Flankenspiel mit einer Überzahl am Flügel verhindern konnten und wie sie sich bei Hereingaben positionieren mussten. Die Eindimensionalität war besonders dann problematisch, wenn Manchester United gegen tiefstehende Mannschaften das Spiel machte.

Angel di Maria, den der neue Trainer Louis van Gaal nach Manchester gelotst hat, kann flanken, nach innen ziehen, Räume eröffnen und die Seite tauschen, wie es das Profil eines modernen Flügelstürmers vorsieht. Er beherrscht damit jene Variabilität, die United zuletzt am Flügel vermissen ließ und dank der die AS Roma in Italien wieder oben mitmischt.

Referenzen:

Heft: 96
Rubrik: Taktik Total
ballesterer # 114

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