Das gesunde Spiel

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Trotz allerlei Wehwehs, die dem Fußballspiel innewohnen, ist dieser Sport gesund. Das behaupten Studien und jeder, der selber spielt. 

Wolfgang Pennwieser | 15.03.2017

Jeder dritte Sportunfall ereignet sich beim Fußballspielen. Sprunggelenksverletzungen, Knie- und Kopfverletzungen kommen in dieser Rei-henfolge dabei am häufigsten vor. Mit den ersten Frühlingsonnenstrahlen füllen Fußballerinnen und Fußballer jeder Altersstufe die Not-fallambulanzen des Landes. Platzwunden werden genäht und Gipsverbände angelegt. Jeder, der sich schon einmal einen Unterschenkel gebrochen oder ein Kreuzband gerissen hat, verflucht spätestens nach der Diagnoseübermittlung dieses – frei nach Hickersberger Josef – scheiß Spiel. Um es nach einigen Wochen oder Monaten wieder lieben zu lernen. Und das mit Recht. Denn: Fußballspielen ist gesund. Sehr sogar. Glaubt man den Untersuchungen von dänischen Sportwissenschaftern, so hilft Fußball fast jedem: dem übergewichtigen Kind, dem Prostatakrebspatienten, der Frau mit hohem Blutdruck und dem osteoporösen Knochen.

Stark und schlank
Vor allem aber hilft der Fußball der Kondition – auch im Alter. So konnte gezeigt werden, dass Fußballspielen schnödem Fitnesstraining haushoch überlegen ist. Der Testleiter Krustrup Peter lud dazu untrainierte Herren zwischen dem 63. und 75. Lebensjahr ein. Drei Untersu-chungsgruppen wurden gebildet. Die eine spielte Fußball, die andere ging ins Fitnessstudio, und die dritte tat nichts. Die Fußballgruppe ging als großer Sieger hervor: Ausdauer, Laufleistung und Lungenfunktion nahmen bei den kickenden Senioren messbar zu. Eine Verbesserung des Ruhepuls und der Laktatwerte wurde in beiden Sportgruppen nachgewiesen. Bei den inaktiven Herren tat sich freilich nichts.

Krustrup untersuchte außerdem 28 bis dahin untrainierte Männer zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Wieder wurden Gruppen gebildet, wobei die einen Fußball spielten, die anderen joggen gingen, und eine dritte Gruppe erneut nichts tat. Die Untersuchung lief über drei Mona-te und zeigte am Ende ein beeindruckendes Ergebnis. Die Fußballer nahmen 3,5 Kilogramm Fett ab und legten zwei zusätzliche Kilo Muskel-masse zu. Die Jogger verloren zwar auch Fett, nämlich zwei Kilogramm, bauten aber keine neue Muskelmasse auf. Darüber hinaus sank bei beiden Gruppen der Blutdruck, auch der Gleichgewichtssinn und die Blutzuckerwerte verbesserten sich. Bei den gänzlich Inaktiven tat sich wiederum gar nichts. Auch wenn es wie ein Werbeslogan klingen mag: Wer stark und schlank werden will, muss also Fußball spielen.

Anstoß zum Reden
Fußball zeichnet sich durch den Wechsel zwischen Gehen, Laufen und Sprinten aus. Dazwischen kommen während des Spiels immer wieder kleine Erholungspausen vor. Das alles macht den Fußball für das Training des Herz-Kreislauf-Systems besonders effektiv. Durch das spielerische Element und die Freude am Spiel fällt zudem die Anstrengung nicht so sehr ins Gewicht. Jogger fänden das Training hingegen viel härter, so Studienleiter Krustrup. Für die Psyche des Mannes sei der Fußball außerdem gut geeignet. Denn Männer würden durch den Sport und die Gemeinschaft leichter über ihre Gefühle reden können. Klingt nach Gruppenpsychotherapie. Auch nicht schlecht.    

Wolfgang Pennwieser ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Wien



Foto: Katharina Roßboth

Referenzen:

Heft: 120
Rubrik: Dr. Pennwieser
ballesterer # 120

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