Das Informationsdefizit schwindet

cache/images/article_1667_presse_140.jpg Kann es sein, dass zum ersten Mal verantwortungsvoll mit der Fußball-WM der Frauen umgegangen wird? Als Konsument von Mainstream-Medien Krawallblätter ausgenommen kann man sich gut informiert fühlen, ohne reaktionär vor den Kopf gestoßen zu werden.
Mario Sonnberger | 13.07.2011
Der WM-Auftakt füllte die Titelseite der Kleinen Zeitung, die im Blattinneren ein passables Essay zum Thema brachte. Standard und Presse berichteten sowieso, Spielpläne gab es auch. Die passende Lektüre zur abendfüllenden Übertragung auf der ARD hatte man also bereit. Und sie überzeugte auch fachlich: Dass Lira Bajramaj statt der späteren Torschützin Celia Okoyino da Mbabi die Bank drücken würde, konnte bereits zum Sonntagsfrühstück gelesen werden. Auch online dem Geschehen zu folgen bereitete bislang kaum Mühe. Der ORF übertrug die Deutschland-Spiele im Livestream, danach gab es Features auf der Sportseite könnte schlimmer sein. Dass die genuine ORF-Berichterstattung jenseits von dpa-Artikeln der Qualität von ARD und Co. hinterherhinkt, wird zähneknirschend toleriert. Und auch dass »von Taktik geprägt« offenbar immer noch ein Synonym für »torarm« ist.


Bittersüße Ödnis
Wo Licht ist, gibt es natürlich auch Schatten. Auf den großen Internetportalen auf denen Sensation vor Inhalt kommt musste man Berichte zur WM mit der Lupe suchen. Als die ersten Gruppenspiele kaum absolviert waren, befand sich auf sportnet.at ein Countdown zur American-Football-WM. Soll heißen: Beliebige Cheerleader-Fotos mit Lugner-Ex und Miss Austria. Laola1.at spuckte (nach längerer Suche) eine Diashow aus zum »bittersüßen Spektakel« und daneben eine drei Jahre alte Galerie über den »nackten Cordoba-Wahnsinn«. Solcherart verödet der journalistische Anspruch. Ein Wort übrigens, das im TV auf lustige Irrfahrt geht. Wen nämlich Pro7 mit seiner begrifflich an den Fußball angelehnten Suche nach dem »Sommermädchen 2011« ansprechen will, weiß weit und breit niemand.

Aufregungslos normal
Trotzdem: Viele machten es besser! Dass man oft nur von der »Fußball-WM« las, Geschlecht hin oder her, war angenehm. So kann sie nämlich auch aussehen, unaufdringlich und entspannt. Im Vergleich mit den Zuständen bei der Männer-WM behält sich die Medienlandschaft ein Stück Normalität. Liegt es an dem Ereignis gleich vor der Haustür? Oder will man zumindest hierzulande vor der Konkurrenz das Gesicht wahren? So oder so: Es macht Spaß, und plötzlich wird klar, wie wenig einem 24/7-Berichterstattung, teure Fanzonen, Ballermann-Stimmung und sonstige Sommermätzchen abgehen.

Referenzen:

Heft: 63
Rubrik: Serien
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png