Würde der Zugang zu Alkohol zu den Menschenrechten zählen die Ukraine wäre Europameister und kein Hoeneß Uli müsste mehr mitdiskutieren, warum oder warum nicht man an der diesjährigen Europameisterschaft teilnehmen soll. An die 17 Liter reiner Alkohol werden im Land des Gastgebers jährlich konsumiert. Österreich liegt mit zünftigen 13 Litern nur knapp dahinter. Gleichwohl war der ballesterer-Gründer Krennhuber Reinhard nach der Rückkehr von seiner Recherchereise ganz schön beeindruckt: »Was diese Ukrainer Wodka saufen!« Aus dem Wasserglas, flaschenweise, pur und ganz ohne Wackler wird in der Ukraine die Spirituose konsumiert. Krennhuber wollte nun wissen, ob das Wodkatrinken schädlicher als Bier- oder Weintrinken ist.
Kein Fusel, keine Fahne
Freilich macht auch beim Wodka die Dosis das Gift. Der Volksmeinung, dass es egal sei, welche Alkoholika man zu sich nimmt, kann die Notfallambulanz nicht zustimmen. Wer Wodka wie Wasser konsumiert, kommt im Handumdrehen über die Grenze, ab der Alkohol als gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Diese liegt beim Mann bei 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag und bei der Frau bei vergleichsweise niedrigen 20 Gramm. Es gibt auch eine Harmlosigkeitsgrenze: 16 Gramm für die Frau beziehungsweise 24 Gramm für den Mann. Diese Alkoholmengen gelten als bedenkenlos. Ein kleines Stamperl Wodka (0,02 Liter) hat etwa sechs Gramm Alkohol, ein halber Liter Bier etwa 20 Gramm. Trinkt man in ukrainischen Dimensionen, ist man schnell über 60 Gramm.
Der Wodka hat für viele aus einem bestimmten Grund einen ganz besonderen Reiz. Aufgrund der sorgfältigen Destillation und Filterung enthält er so gut wie keine Fuselöle und andere Begleitstoffe. Der Wodkatrinker hat deshalb kaum eine Alkoholfahne, da diese sich hauptsächlich durch den Abbau der Begleitstoffe entwickelt. Und so sitzt der berufstätige Alkoholkranke bei einem Wodka Orange am Schreibtisch und arbeitet am Aufbau seines Alkoholspiegels. Abgebaut wird der Alkohol, egal was man trinkt, immer gleich schnell nämlich 0,1 Promille pro Stunde. Es ist vollkommen belanglos, ob nun viel Kaffee, Milch, Wasser oder Energydrinks davor, dazwischen oder danach konsumiert werden. Der Alkoholabbau lässt sich nicht beschleunigen und die Fahrtauglichkeit oder Nüchternheit durch solche »Tricks« nicht schneller erreichen.
»Meine Leber ist sinnlos«
Alkohol ist im Grunde ein Gift. Wer sich über längeren Zeitraum immer wieder hohe Dosen eines Giftes zuführt, schädigt sich. Wobei die Leber so einiges einstecken kann. Man muss sie schon ordentlich beleidigen, bis sie gekränkt ist. Und so sagen die Leberwerte lange Zeit nichts über den Alkoholkonsum aus. Der junge Trinker prahlt in der Regel noch mit seinen guten oder »eh nicht so schlechten« Leberwerten.
Die Leber ist aber nicht das einzige Organ, das unter dem Alkoholkonsum leidet. Das Hirn, die Nerven, die Haut, die Speiseröhre, der Magen, der Darm, die Gefäße, der Sex: Alles wird schlechter oder kürzer. Vor allem aber die Lebenserwartung. So sinkt jene von alkoholabhängigen Männern um 17 Jahre, die der Frauen gar um 20 Jahre. Wer also noch bei möglichst vielen Europameisterschaften dabei sein will, konsumiert den Wodka in Maßen und den Fußball in vollen Zügen.






In der Ukraine wird bekanntermaßen viel Wodka getrunken. Wer mit eigenen Augen sieht, wie viel tatsächlich getrunken wird, ist dennoch beeindruckt.
erscheint am 12. Juli 2013.
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