Der Bandscheibenvorfall

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Sowohl Fußballer als auch rückgratlose Funktionäre sind gefährdet, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden. Warum das so ist und Sie lieber Sechsertragerl statt Bierkisten kaufen sollten, erfahren Sie in der Notfallambulanz.
Wolfgang Pennwieser | 01.02.2011
23 Bandscheiben hat der Mensch. Sie befinden sich zwischen den Wirbelkörpern und dienen als Stoßdämpfer kaum vorstellbar, wie sich das Kreuz ohne diese Polster anfühlen würde. Eine Bandscheibe besteht innen aus einem weichen, gallertartigen Kern (Nucleus pulposus), der den Druck ausgleicht. Dieser Kern wird von einem äußeren straffen Ring, dem Anulus fibrosus, umgeben und in Form gehalten. Ist dieser Ring defekt, kommt es zum Bandscheibenvorfall (Discusprolaps) oder zumindest zur Bandscheibenvorwölbung (Discusprotrusion).

Nimm den goldenen Ring von mir  

Eine Verletzung der Bandscheibe kann den bewegungsfernen Fußballfunktionär und den Profisportler gleichermaßen treffen. Das liegt daran, dass die Bandscheibe sowohl durch Überbelastung als auch durch degenerative Veränderungen herausspringen kann. Wobei springen übertrieben ist, der Nucleus quetscht sich vielmehr durch den Anulus fibrosus nach hinten oder zur Seite, drückt auf das Rückenmark oder die Nervenwurzel und verursacht dabei die typischen Beschwerden.

 

Es kommt zu ausstrahlenden Schmerzen ins Bein oder den Arm, oft verbunden mit Gefühlsstörungen (Ameisenlaufen, Kribbeln, Taubheit). Möglicherweise ist auch die Kraft einzelner Muskeln geschwächt, da die Nerven verschiedene Muskeln reizen. Das Auftreten von Blasen- und Mastdarmfunktionsstörungen ist zwar selten, aber möglich. Die gute Nachricht: Der Großteil der Bandscheibenvorfälle bildet sich auch ohne chirurgischen Eingriff zurück. Osteopathen, Physiotherapeuten, Craniosakraltherapeuten und auch andere kennen sich hierin aus und können helfen.

 

Bei Lähmungen muss meist zügig operiert werden. Higuain Gonzalo hat sich vor kurzem einer solchen Operation unterzogen. Der Argentinier wurde in Chicago aufgeschnitten, und fehlt daher real in Madrid. In vier Monaten, rechnet sein optimistischer Arzt, wird er wieder spielen können. Der Buffon Gianluigi vergleichsweise konnte erst nach sechs Monaten wieder mit dem Training beginnen. Eine Bandscheibenverletzung ist also eine langwierige Geschichte. Der Tokic Mario kam gleich gar nicht mehr in die Gänge, und auch der Jelavic Nikica hat Monate an seiner defekten Halswirbelbandscheibe herumgedoktert.

 

Das Leben ist bandscheibenfeindlich

Grundsätzlich könnte man sagen, dass die Bandscheibe und das heutige Leben nicht so recht zusammenpassen. Der Mensch ist eigentlich zum Vierfüßler geboren und für das aufrechte Stehen a priori nicht konzipiert. Durch die Überbeanspruchung des Spitzensports oder stundenlanges schiefes Sitzen am Schreibtisch zerbröseln die Bandscheiben regelrecht. Bei einer krummen Körperhaltung entsteht auf der Rückseite der Bandscheibe ein enormer Zug. Daraus kann man schließen, dass Kriechern und Bucklern öfter die Bandscheibe herausspringt.

 

Besondere Vorsicht gilt beim Ein- und Ausladen von Bier- oder Kracherlkisten aus dem Kofferraum des Autos. Die seitliche Drehbewegung ist Gift für den Discus. Mit Rücksicht auf Ihre Wirbelsäule nehmen Sie lieber in jede Hand ein Sechsertragerl. Die Last ist damit gleichmäßig verteilt, und an der Kaufhauskassa wird Sie keiner mehr für einen schweren Alkohol- oder Zuckersüchtigen halten. Rückengymnastik wäre außerdem auch noch gut ist aber eher fad.

ballesterer # 121

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