Der direkte Weg zum Tor

cache/images/article_2116_untitled-1_140.jpg Die Austria hat sich in der abgelaufenen Saison dank ihres direkten Offensivspiels zum Meister gekürt. Abgestimmte Positionen, Laufwege und Pässe ermöglichten ein flüssiges Zusammenspiel.
Emanuel Van den Nest | 12.07.2013

Manuel Ortlechner passt zu Tomas Jun. Nahe der linken Seitenlinie nähern sich Jun zwei Gegenspieler. Markus Suttner läuft an Jun vorbei und zieht einen von ihnen an sich. Etwas weniger bedrängt, schlägt Jun von dort eine Flanke auf Stürmer Philipp Hosiner, der an zwei Verteidigern vorbeiläuft, den Ball im Strafraum annimmt und den Tormann überhebt. Dieser Treffer markiert am 2.  März 2013 nicht nur das 4:0 gegen Wacker Innsbruck, sondern er veranschaulicht Austrias direkten Weg zum Tor.


Ein Baustein dieser offensiven Spielweise war Mittelstürmer Hosiner, der sich durch seine Schnelligkeit, seinen Torabschluss, seine Antizipationsgabe und seine Bewegung ohne Ball auszeichnet. In Ballbesitz orientiert sich Hosiner stets nahe der gegnerischen Verteidigung. Er läuft zwar häufig ins Abseits, oft aber auch am Gegner vorbei. Seine hohe Position schafft hinter ihm zusätzlichen Raum. Spielt der Gegner weniger kompakt, kann ein offensiver Mitspieler diesen Raum nutzen. Austrias Spiel war zwar auf Hosiner zugeschnitten, ließe sich jedoch recht einfach auf einen neuen Stürmer ausrichten. Denn auch der Rest der Mannschaft bewegt sich ohne Ball geschickt und schafft Räume für die Mitspieler, wie Markus Suttner es gegen Wacker getan hat.


Lange Bälle aus der Tiefe
Ausgangspunkt solcher Spielzüge sind Passgeber wie der kreative Flügelstürmer Jun, der spielstarke Innenverteidiger Kaja Rogulj und der zweikampfstarke Mittelfeldspieler Florian Mader. Maders weite Bälle leiten nicht nur Angriffe ein, sie befreien die eigene Abwehr auch aus dem gegnerischen Pressing. Der Unterschied zu anderen Teams besteht darin, dass die Befreiungsschläge häufiger in Ballbesitz münden, weil sie präziser geschlagen werden und Austrias Offensivspieler außerdem auf zweite Bälle lauern. So hat Hosiner vergangenen Februar im Wiener Derby Gersons missglückten Kopfball direkt zum Ausgleich verwertet. Auch der von Nenad Bjelica trainierte WAC erzielte seine Tore hauptsächlich nach langen Bällen, die Spielmacher Michael Liendl schlägt und die im robusten Stürmer Mihret Topcagic ihren Abnehmer finden. Während der WAC dabei aus einer defensiven Position konterte, agierte die Austria grundsätzlich offensiv.


Der Ex-Trainer Peter Stöger hatte einen großen Anteil daran, dass das Umschalten zwischen Defensive und Offensive in seinem 4-3-3 so gut funktionierte. Sein System war weniger variabel, dafür sehr flüssig. Das liegt daran, dass Stöger die Kombinationen einstudieren ließ, die im Spiel angewendet wurden. Der flüssige Spielaufbau geht allerdings auf eine längere Entwicklung zurück, die schon Karl Daxbacher mit seinem Fokus auf Ballbesitz und Kurzpassspiel in die Wege geleitet hatte. Der neue Austria-Trainer Bjelica profitiert von dieser Entwicklung. Seine größte Herausforderung wird sein, das direkte Zusammenspiel, das er beim WAC abwartend praktizieren ließ, auch aus einer dominanten Position fortzuführen.

 

Illustration: Benjamin Kuëss

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Referenzen:

Heft: 83
Rubrik: Serien
Verein: FK Austria Wien
ballesterer # 121

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