Der medizinische Test

cache/images/article_2032_pennwieser_140.jpg Das Team der Notfallambulanz holte sich beim Rapid-Vereinsarzt Balzer Thomas medizinischen Rat und erfuhr, worauf ein Arzt bei einem Spielertransfer schauen muss. Neu für uns war, dass ein Fußballer im Prinzip wie ein VW Käfer ist.
Wolfgang Pennwieser | 12.03.2013
»Ildiz verlässt noch am Nachmittag das Trainingslager an der Algarve, um sich in Nürnberg finalen medizinischen Tests zu unterziehen«, schrieb die Internetplattform transfermarkt.at am 30. Jänner. Beim Holtby Lewis hieß es auf fußballtransfer.com: »Lediglich die obligatorische medizinische Untersuchung trennt den Spielmacher von der Unterschrift bei den Tottenham Hotspurs.« Der Fußballfan nimmt an, dass nun nichts mehr schiefgehen wird, weil ein medizinischer Test nur eine Formsache darstellt. Das stimmt irgendwie, aber nicht immer. Manchmal, wenn auch selten scheitern Transfers am Veto der medizinischen Abteilung eines Vereins. So platzte der Wechsel des Frankfurters Caio von der Eintracht zu Dynamo Moskau an den Bedenken der Moskauer Ärzte. Ein Knorpelschaden im Kniegelenk des Brasilianers war der Grund. Wegen eines havarierten Knies misslang auch der Wechsel vom Suarez Matias vom RSC Anderlecht zu ZSKA Moskau im Sommer 2012.

Gebrauchtabteilung
Der ebenso kompetente wie sympathische Arzt Balzer Thomas vom SK Rapid sagt dazu: »Einen älteren Spieler zu kaufen ist ungefähr so, wie wenn man sich einen alten VW Käfer zulegt. Man weiß, dass er jederzeit etwas haben kann, aber man will ihn trotzdem. « Eine unsichere Angelegenheit also. Die Argumente, die für einen Kauf sprechen, seien hier wie da die gleichen: »Bis jetzt ist er ja noch gegangen, da wird schon nicht gleich etwas sein.« Stutzig sollte man laut dem Fußballdoktor werden, wenn angebliche Topspieler bei ihren Klubs kaum eingesetzt werden und am Ende der Transferzeit recht günstig zu haben sind. Beim SK Rapid werden daher einige Untersuchungen durchgeführt, um sicherzugehen, dass der Spieler wirklich fit ist. Neben einer Herzechokardiographie werden ein Belastungs-EKG und ein Laktattests gemacht. Schließlich kommt der Spieler noch in die Röhre. Eine Magnetresonanztomographie der Lendenwirbelsäule, beider Kniegelenke und beider Sprunggelenke ist bei Rapid obligatorisch, bevor ein Spieler unter Vertrag genommen wird.

Beschwerden ohne Befunde
Wirklich sicher kann man sich aber trotz tadelloser Befunde nie sein. Eine unauffällige Magnetresonanztomographie des Kniegelenks heißt nämlich nicht automatisch, dass der Spieler keine Beschwerden bekommen wird. »Es laufen aber auch Fußballer mit den wildesten Befunden Woche für Woche aufs Feld und spüren nichts«, sagt der Rapid-Arzt. Dasselbe gilt freilich auch für Nichtsportler, aus dem Befund alleine lässt sich nicht auf die Beschwerden schließen. Wichtig sind das subjektive Empfinden und die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung. So fiel im Jänner 2011 der Ba Demba bei Stoke City wegen eines chronischen Knieleidens durch den medizinischen Check. West Ham war das wurscht, die Londoner verzichteten einfach auf die medizinische Untersuchung und nahmen den Stürmer unter Vertrag. Es sollte sich lohnen: Bei den »Hammers« erzielte Ba sieben Tore in zwölf Spielen und wechselte daraufhin zu Newcastle. Im St. James Park stellte sich der Angreifer gleich mit zwei Hattricks vor und wurde im Dezember 2011 zum Spieler des Monats in der Premier League gewählt. Inzwischen hat der Angreifer bei Chelsea unterschrieben. Haben sich die Ärzte bei dem Senegalesen getäuscht? Der Balzer Thomas sagt, dass er ähnlich wie der ÖAMTC nur ein Gutachten abgebe - ob der Spieler dann gekauft wird oder nicht, liegt bei den Verantwortlichen des Vereins. Zumindest vom Autokauf weiß man, dass diese Entscheidung nicht immer nach den strengen Regeln der Vernunft erfolgt.

Referenzen:

Heft: 80
Rubrik: Serien
ballesterer # 121

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