Der Schweißfuß

cache/images/article_2074_nfa_140.jpg Sommerzeit und Schwitzen passen zusammen. Manch einer schwitzt an den Füßen ­jedoch unabhängig von der Witterung das ganze Jahr hindurch. Im Sommer kann man zumindest barfuß gehen - und das ist wiederum gut gegen Schweißfüße.
Wolfgang Pennwieser | 13.05.2013

Fußballer sollten keine Schweißfüße haben. Die Füße, gewissermaßen das Spielgerät des Sportlers, werden durch das ständige Schwitzen und das dadurch bedingte feuchte Milieu in Mitleidenschaft gezogen. Die schützende Hornschicht wird weich und Keime können sich einnisten. Die feuchte Wärme des Schweißfußes ist ein wahres Eldorado für Bakterien, Viren und Pilze. So können Humane Papillomaviren Fußsohlenwarzen (Verrucae plantares) und Pilze in den Zehenzwischenräumen verursachen, sogenannte Interdigitalmykosen. Beide Infektionen sind nicht leicht zu behandeln und können zu Problemen beim Laufen führen.

Käsefuß kommt von Käse
Einen Schweißfuß (Hyperhidrosis plantaris) hat man, wenn der Fuß übermäßig viel Schweiß absondert. Das kann von Grad 1, einem leichten Anfeuchten des Fußes, bis hin zu Grad 3 reichen, wenn der Schweiß in dicken Perlen vom Fuß tropft. Dass Schweißfüße riechen, ist bekannt, wobei der Schweiß per se geruchlos ist. Erst der Kontakt mit der Keimflora der Haut und folgende Abbauprozesse bedingen den Geruch des Schweißes. Im Fall von Schweißfüßen dürfte das Brevibakterium für das typische Aroma verantwortlich sein.


Brevibakterien kommen auch in der Käseproduktion zum Einsatz, der umgangssprachliche Begriff Käsefuß ist daher nicht allzu weit hergeholt. Jeder, der schon einmal eine Umkleidekabine besucht hat oder einen Haufen gebrauchter Fußballschuhe vor sich hatte, weiß, wovon die Rede ist. Dabei dient das Schwitzen am Fuß im Gegensatz zum »normalen« Schwitzen der Haut nicht der Wärmeregulation. Die Schweißdrüsen an den Händen, Füßen und Achseln stehen vor allem unter emotionaler Kontrolle. Je größer die Aufregung, umso mehr schwitzt man. Bei Menschen mit einer vermehrten Schweißproduktion kann sich diese Steuerung auch selbstständig machen, so dass die Patienten ohne erkennbaren Anlass Schweißausbrüche bekommen.

Unter Strom
Warum hat der Mensch eigentlich an Händen und Füßen mehr Schweißdrüsen als an allen anderen Körperstellen? Die optimale Durchfeuchtung der Hornschicht gewährleistet einen sicheren Griff und sicheren Tritt bei der Jagd und auf der Flucht. Fußschwitzen ist demnach eine Urwaldmensch-Erfindung. Heutzutage trägt man für sicheren Tritt Stollenschuhe, die leider kaum mehr aus Leder, sondern aus Plastik hergestellt werden. Das ist grundsätzlich schlecht, denn die Wahl des Schuhwerks ist eine wichtige Prophylaxe von Fußschweiß. Der Fuß soll in gut durchlüfteten Schuhen stecken, die Socken sollen aus Naturfaser sein. Am besten ist natürlich Barfußgehen oder Fußballspielen. Beides ist hierzulande aber nur wenige Monate im Jahr möglich.


Bevor man Schweißfüße medizinisch behandelt, könnte man auch noch Folgendes ausprobieren: die Füße regelmäßig mit kaltem Wasser waschen, überschüssige Hornhaut entfernen, spezielle Einlagen verwenden. Außerdem eignet sich das Trinken von Salbeitee, das die Schweißbildung generell hemmt - allerdings auch die Milchbildung, was beim Stillen von Nachwuchshoffnungen bedacht werden sollte. Mediziner behandeln Schweißfüße mit der Leitungswasser-Iontophorese. Die Füße werden dabei in ein Wasserbad gestellt, durch das schwacher Gleichstrom fließt - ein Strombad gewissermaßen. Im Freibad barfuß zu kicken ist freilich die angenehmere Variante.

Referenzen:

Heft: 82
Rubrik: Serien
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