Der Syndesmoseriss

cache/images/article_2123_pennwieser_140.jpg Sprunggelenksverletzungen sind im Fußball sehr häufig, nicht selten ist die Syndesmose daran beteiligt. Der Ballack Michael musste wegen einer solchen Verletzung gar die Weltmeisterschaft sausen lassen.
Wolfgang Pennwieser | 12.07.2013

Syndesmose ist ein schönes Wort. Viel zu weich für die harte Welt einer Notfallambulanz, es würde schon eher in den Bereich der Dermatologie, der Augenheilkunde oder der Psychiatrie passen. Der Begriff Syndesmose besteht aus den griechischen Wörtern syn (zusammen) und desmos (Band). Die Syndesmose ist also ein Band, das etwas zusammenhält - nämlich die Sprunggelenksgabel, die von den beiden Unterschenkelknochen gebildet wird.


Hätte die Syndesmose eine Seele, würde sie wohl einen Minderwertigkeitskomplex entwickeln, weil sie unter Wert gehandelt wird. Für das Sprunggelenk ist sie in etwa so wichtig wie das Kreuzband für das Kniegelenk, doch kaum jemand kennt die Syndesmose, während jeder um die Wichtigkeit des Kreuzbandes weiß.


Vielleicht wird auch deshalb ein Syndesmoseriss leicht übersehen, obwohl eine derartige Verletzung gar nicht selten vorkommt. Bei jeder neunten Sprunggelenksblessur ist die Syndesmose beteiligt. Der Ballack Michael hatte eine Kombination aus einem Innenbandriss im Sprunggelenk und einem vorderen Syndesmoseriss. Der Unfallhergang war typisch: Boateng Kevin Prince foulte den Ballack im FA-Cup-Finale im Mai 2010 so lehrbuchmäßig, dass man dieses Video in Medizinerfortbildungen verwenden müsste - nach dem Motto: »So muss man es machen, wenn man jemandem die Syndesmose zertrümmern will.« Der Boateng hat das auch noch mit Anlauf gemacht, obwohl der gar nicht notwendig gewesen wäre, denn ein kräftiger Tritt gegen das Wadenbein reicht vollkommen. Der Prinz hat Ballack wahrscheinlich nicht absichtlich gefoult, er hätte aber guten Grund gehabt, sauer zu sein. Der Deutsche hatte ihm nämlich keine drei Minuten vorher eine kleine Watsche gegeben. Danach war der Jammer in Deutschland groß, weil der Ballack mehrere Wochen ausfiel und nicht zur WM fahren konnte.

Zusammennähen, was zusammengehört
Typische Symptome für die Verletzung sind Schmerzen bei Belastung des Fußes und eine Schwellung über dem Sprunggelenk, wobei die Schwellung nicht sonderlich ausgeprägt sein muss. Ein Röntgenbild hat meist nur dann eine Aussagekraft, wenn auch das andere Bein durchleuchtet und die Bilder nebeneinander beurteilt werden. Den Syndesmoseriss erkennt man am Auseinanderweichen von Schien- und Wadenbein, sonst sieht man nicht viel, da man anhand der Röntgenbilder die Knochen, aber keine Bänder beurteilen kann.


Bei der vollständigen Ruptur der Syndesmose werden bei einer Operation die Unterschenkelknochen mit einer Stellschraube wieder fixiert, und die Syndesmose wird zusammengenäht. Der Spieler fällt dann um einiges länger aus als bei einer Teilruptur der Sehne, die meist konservativ behandelt wird. In diesem Fall wird der Fuß mit einem Gips ruhiggestellt. Unbehandelt kann ein Syndesmoseproblem zu Knorpelschäden im Sprunggelenk führen. Und das ist - so schön Syndesmose auch klingen mag - gar nicht angenehm.

Referenzen:

Heft: 83
Rubrik: Aktuell
ballesterer # 121

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