Die Gehirnerschütterung

cache/images/article_1605_mandl_140.jpg NOTFALLAMBULANZ Nach einer Gehirnerschütterung soll man nicht Fußball spielen. Wer dennoch weiterspielt, braucht sich über etwaige Folgen nicht zu wundern.

Wolfgang Pennwieser | 04.03.2011
Das Gehirn ist wichtig. Es steuert so gut wie alles im Körper, und so mancher verwendet es gar zum Denken. Wenn das Gehirn eines Menschen tot ist, besteht nur wenig Grund zur Hoffnung. Wenn man der deutschen Schlagersängerin Ebstein Katja glauben darf, gibt es aber Wunder immer wieder, und so wachen Menschen, die für hirntot erklärt wurden, aus dem Koma wieder auf das ist eher selten. Weil das Gehirn so ganz besonders viel kann, muss man besonders gut darauf aufpassen. Die Natur hat daher das Gehirn mit einem recht harten knöchernen Schädel umhüllt. Zudem schwimmt es in der Hirnflüssigkeit, dem sogenannten Liqour, was einen zusätzlichen Schutz vor Erschütterungen bietet. Beim zweikampfbetonten Fußball nutzt das manchmal alles nichts.

 

Wenn die Schädel beim Kopfballspiel zusammenkrachen oder der Tormann beim Herauslaufen das Knie des Stürmers gegen den Kopf bekommt gehen mitunter die Lichter aus. Eine kurze Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden bis zu einer Stunde ist ein sicherer Hinweis auf eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri). Weiteres Kennzeichen einer Commotio ist eine Gedächtnisstörung, die sich über den Zeitraum vor (retrograd) oder in den meisten Fällen nach (anterograd) dem Unfall erstrecken kann.

Keine Mostschädel im Tor
Nachdem sich der Mandl Thomas beim Frühjahrsauftakt Kopf voran gegen die Beine des heranstürmenden Waltner Robert geworfen hatte, war der Goalie danach einige Sekunden bewusstlos. Von der Wochenendmannschaft der hiesigen Notfallambulanz, die das Spiel über den Kaffeeküchenfernseher verfolgte, rechnete daraufhin jeder mit der Auswechslung des Tormanns. Mandl spielte zur Verwunderung des Notfallambulanzteams aber nach einer kurzen Verarztung weiter. Was entweder besonders heldenhaft oder besonders blöd ist. Vielleicht haben die Bilder auf der kleinen Flimmerkiste auch getäuscht, und der Mandl hatte nur eine Schädelprellung.

 

Nach einer Schädelprellung ist man nur benommen, nicht bewusstlos, und es brummt einem der Kopf. Womöglich sind die oberösterreichischen Häupter auch einfach nur robuster, und so eine Gehirnerschütterung kann einen Mostschädel nicht umhauen. Wobei der Mandl Thomas ja ursprünglich aus Eisenstadt stammt und von einem Mostschädel daher gar keine Rede sein kann. Der Mandl hätte jedenfalls nicht weiterspielen sollen, sondern einen Frieden geben. Bettruhe für einen Tag ist Pflicht, und bei Beschwerden gilt es, eher früher als später ins Spital zu gehen. Erst recht, wenn Seh- oder Hörstörungen auftreten oder ein Verwirrtheitszustand über einen längeren Zeitraum bleibt. Besteht der Verdacht auf Verletzungen des Gehirns oder eine Hinblutung, wird ein Computertomogramm (CT) oder eine Kernspintomografie (MRT) angefertigt.

Keine Wunder in Linz
Das sind die Empfehlungen für den normalen Menschen. Doch der Fußball hat offenbar seine eigenen medizinischen Gesetze. Kein Arzt würde einem Buschauffeur erlauben, nach einem Unfall mit Gehirnerschütterung weiterzufahren. Kein Fahrkartenkontrolleur würde Fahrkarten kontrollieren dürfen. Niemand, außer ein Tormann eines Abstiegskandidaten, darf nach einer Gehirnerschütterung weitermachen, als ob nichts gewesen wäre. Die Geschichte würde sich freilich besser anhören, hätte der Mandl nach seiner Gehirnerschütterung noch mit Paraden dem LASK den Sieg gebracht.

 

Doch Hollywood ist von der Linzer Gugl noch weiter entfernt als das Burgenland, und so kam es anders. Die Athletiker verloren glanzlos 0:1. Ausgerechnet der Übeltäter Waltner köpfelte den Siegestreffer. Der Mandl Thomas konnte beim Gegentor nichts dafür, man merkte ihm seine Gehirnerschütterung auch während des gesamten Spiels nicht an. Dennoch: Heldengeschichten oder gar Wunder sind beim LASK derzeit rar. Aufhören, daran zu glauben, braucht man deshalb aber auch noch nicht.

Referenzen:

Heft: 60
Rubrik: Serien
ballesterer # 120

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