Für die Infektion im Mund-Lippenbereich ist das Herpes simplex Virus Typ 1 verantwortlich und wird deshalb auch Herpes labialis (= Lippenherpes) genannt. Bei entsprechenden geschlechtlichen Praktiken kann man sich freilich auch das Herpes simplex Virus Typ 2 (= Herpes genitalis) holen, die Bläschen sind vergleichbar. Übertragen wird das Virus aber meist über die so genannte Tröpfcheninfektion. Sprich beim Niesen, Zungenüssen oder sich gegenseitig Anhusten. Daher sollte ein Spieler mit Fieberblaserl niemals einen Mitspieler an sein Isostar lassen.
Zeig' mir den Platz an der Sonne
Etwa 80 Prozent der Bevölkerung trägt das verursachende Virus mit sich spazieren. Wurde man einmal im Leben von einem Fieberblaserl heimgesucht, bekommt man den Erreger nicht mehr los. Denn das Herpes simplex Virus nistet sich recht dreist im Körper ein. Sein Platzerl hat es in den Nervenzellkörpern, "den so genannten Ganglien", wo es auch zu Bläschen-freien Zeiten hausiert. Dort lauert es wie seinerzeit der Polster Toni im Strafraum und wartet auf eine Schwäche des Organismus. Ein kleiner grippaler Infekt, "daher auch der Name des Blaserls", Stress oder Sonne aktiviert das Virus.
Demgemäß kommen Fußballer vom Sommertrainingslager nicht selten mit einer Herpesinfektion nach Hause. Einerseits hat die Sonnenexposition eine nicht zu unterschätzende immunsupressive Wirkung. Andererseits ist so ein Trainingslager eine anstrengende Angelegenheit. Lauftraining, Taktikschulung und der Kampf ums Leiberl setzen die Spieler unter Druck, der Stress wächst und das Fieberblaserl gedeiht.
Auch den Trainern kann der Bundesligabetrieb zusetzen. Manchmal kann man den Spielausgang förmlich von den Lippen des Coachs ablesen. Wie beispielsweise beim Zellhofer Georg: Nach zwei Niederlagen in Folge mit der Rapid florierte ein eindrucksvolles Fieberblaserl auf seiner Lippe. Just im Derby gegen die Wiener Austria hätte die Negativserie der Hütteldorfer beendet werden sollen. Zellhofer stand gehörig unter Druck.
Äußerlich versuchte er Optimismus und Zuversicht zu verbreiten, das Herpesbläschen an seinem Mundwinkel verriet jedoch anderes. In Wirklichkeit hatte der Provinztrainer wohl erhebliche Angst vor dem Scheitern in der Hauptstadt. Die stressbedingte Immunschwäche des Trainers übertrug sich auf die Spielstärke der Mannschaft. Rapid verlor prompt das Wiener Derby am 23. April letzten Jahres mit 1:3. Zellhofer sollte nicht mehr allzu lange Rapidtrainer bleiben und hatte danach Zeit sich zu erholen. Als Austrianer scheint er sich nun wohler zu fühlen. Der Cupsieg mit den Veilchen festigt vorerst seinen Posten und die Herpesviren ruhen wieder in den Ganglien.
Creme de la Creme
Zellhofer hat damals sein Fieberblaserl wohl auch mit einer Salbe behandelt: Das macht jeder so. Antivirale Mittel in Salbenform werden landauf, landab empfohlen. Die Palette dieser Präparate ist groß, von Aciclobene® bis Zovirax® kann man je nach Gusto auswählen. Die Meinungen über die Wirksamkeit dieser Medikamente sind jedoch geteilt. Lindernde Wirkung gegen das Spannungsgefühl hat die Salbenschmiererei allemal. Beginnt man frühzeitig mit der Therapie, kann man den Verlauf vielleicht sogar verkürzen. Doch meist benötigt eine Fieberblase, trotz intensiver Einbalsamierung des Mundwinkels, etwa sieben Tage bis zur Abheilung. Ohne Therapie dauert es eine Woche.






erscheint am 12. Juli 2013.
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