Dr.Pennwieser präsentiert:Yersenien (böse Durchfallbakterien)

Yersenien gehören zu den Top drei der durchfallverursachenden Bakterien. Von
ihnen heimgesucht, sieht man für eine Woche keinen Fußballplatz lernt dafür
aber das eigene Klo besser kennen.
Wolfgang Pennwieser | 07.05.2008
Es beginnt mit einem komischen Gefühlin der Magengrube. Eine kleine Magenverstimmung,
weiter nichts Schlimmes, denkt man sich und kocht eine Tasse »Magenfreund-
Tee«. Nach dem heißen Getränk tritt keine erkennbare Besserung ein. Vielmehr breitet
sich das Zwicken im gesamten Bauch aus. Langsam beginnen die Gedärme so sehr zu rumoren, dass es der Sitznachbar hören kann. Schaut dieser auf, sieht er ein gelb-grünes Gegenüber und lässt daher meist die Bemerkung fallen: »Du bist ja ganz grün im Gesicht.«

Ab nun tragen das Erbrechen und der Durchfall ein intestinales Wettrennen aus. Ans Ziel kommen mit Sicherheit beide, oft auch gleichzeitig. Das Erbrechen wird langsam verschwinden, der Durchfall (= Diarrhöe) aber fur eine Weile bleiben. Dieser nimmt den Körper für mindestens fünf Tage, oft bis zu eine Woche in Beschlag und zeigt einem, wer der Herr im Haus ist. Wässriger Stuhl im Minutentakt bis zu zwanzigmal in den ersten Tagen und Fieber über neununddreißig Grad Celsius sind keine Seltenheit. Der Betroffene kann nur mehr versuchen, dem Körper so viel Flüssigkeit wie möglich zuzuführen. Wer Cola als Therapie gegen die Diarrhöe einnimmt, tut sich aber nichts Gutes. Obgleich sich die Mär vom Koffeingetränk als geeignetem Durchfallbekämpfer hartnäckig hält, ist Cola als hypertone Lösung dafür ungeeignet. Mehr noch, es entzieht dem Körper zunächst sogar Flüssigkeit. Bei einem ohnedies angespannten Wasserhaushalt kann ein forcierter Colakonsum fatal sein. Wirksamer sind isotone und hypotone Getränke wie Tees, Suppen, Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte. Der Fußballer kann sich vom Physiotherapeuten auch ein Isostar® bringen lassen. Hierin sind ebenfalls Elektrolyte gelöst, die dem Körper beim Durchfall durch den Darm verloren gehen.

An sportliche Spitzenleistungenist bei einer Durchfallerkrankung sicherlich nicht mehr zu denken. Die größte persönliche Leistung in dieser Situation ist der Erhalt der Kontinenz. Bis sich ein regelmäßiger Stuhlgang wieder einstellt, bleibt der Spieler dem Fußball fern, und die Zeitungen schreiben von einer »Darmgrippe«.

 

Saumagen

 
Eine Durchfallerkrankung legt mitunter ganze Fußballmannschaften lahm. Die Spieler duschen, schwitzen und jubeln miteinander, sie greifen sich an und waschen sich möglicherweise nach dem Klogehen die Hände nicht. Bei solch enger körperlicher Verbindung ist eine Kontaktübertragung des Erregers leicht möglich. Andererseits nehmen die Teams zahlreiche Mahlzeiten gemeinsam ein. Im Fall einer verdorbenen Speise isst und erbricht der gesamte Kader davon. Meist erfolgt die Yersenien-Infektion über kontaminiertes Schweinefleisch. Das Schwein ist ein natürliches Reservoir für das Bakterium auch wenn landläufig von einem Darmvirus gesprochen wird. Einmal angesteckt, heißt es abwarten. Wundermittel gibt es wenige. Von Motilitätshemmern wie Immodium® ist abzuraten. Diese wirken wie ein Stöpsel, den man inden Hintern steckt. Im Darm gärt und brodelt es aber weiter, und schließlich fühlt man sich wie ein Kelomat-Schnellkochtopf. Den Bakterien soll auf dem Weg aus dem Körper besser nichts in den Weg gelegt werden. Etwas Linderung vermag medizinische Kohle durch die Gasbindung zu verschaffen.

Nach einem überstandenen Durchfall fühlen sich die meisten Patienten ausgelutscht, daher
gilt es zunächst, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Danach macht sich der Sportler ans
Auftrainieren der verlorenen Muskulatur. Denn eine Woche Betthuten kann zum Verlust von bis zu zwanzig Prozent der Muskelmasse führen. Daher sollten Zuschauer etwas gnädiger sein,wenn ein Kicker nach überstandener Darmgrippe wieder aufläuft und beschissen spielt.

 

Diese und andere Notfallambulanzen finden sich auch in Dr. Pennwiesers neuer
Enzyklopädie »Platzwunde«, erschienen im Czernin Verlag.

Referenzen:

Heft: 33
Rubrik: Rubriken
ballesterer # 82

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