Komplex ist die Schulter allemal, denn neben dem Oberarmknochen (Humerus) und dem Schulterblatt (Scapula) sind auch noch zahlreiche Muskeln und Bänder (Rotatorenmanschette) sowie Gelenkslippen an der Artikulation mitbeteiligt. Wenn so viele Strukturen teilhaftig sind, kann natürlich auch viel brechen. Die Rotatorenmanschette und die Gelenkslippen werden bei einem Auskugeln fast immer in Mitleidenschaft gezogen, manchmal auch die Knochen. Geht es ganz blöd aus, werden zudem angrenzende Nerven und Gefäße verletzt. Daher sollte vor dem Reponieren durch eine Röntgenaufnahme sichergestellt werden, dass alle Knochen in Ordnung sind. Eine Taubheit der Finger bei Nervenläsionen sieht man zwar nicht am Röntgenschirm, spürt man aber als Patient.
Die hippokratische Schneid
Die Reposition der Schulter sollte möglichst rasch nach dem Unfall durchgeführt werden. Einrenken kann man den Arm mit verschiedenen Verfahren. Bei der Wirtshausmethode nach Arlt wird die Schulter über eine Stuhllehne eingerenkt. Eine recht brauchbare Technik. Für hartnäckige Luxationen findet die Methode nach Hippokrates (siehe Bild) Anwendung. Der Mediziner verwendet hierbei seinen Fuß als Hypomochleon, über welches die Kugel des Oberarms in die Pfanne zurückgleiten soll. Dosiert aber beherzt muss der Doktor dabei am ausgestreckten Arm des Verletzten ziehen. Ein zaghaftes Zaudern führt selten zum Erfolg und die Schmerzen des Verletzten werden dadurch auch nicht weniger. Ob die Reposition gedeiht, ist ganz wesentlich von der Mitarbeit des Verletzten abhängig. Je mehr es diesem gelingt, den Arm zu entspannen, umso leichter hat es der Arzt mit seiner Arbeit.
Strandkickerl
Jungen Sportlern wird seit geraumer Zeit empfohlen, eine Schulterluxation operieren zu lassen. Denn die beschädigten Gelenksstrukturen müssen repariert werden. Ein wiederholtes Auskugeln der Schulter wird dadurch verhindert. Die Operation erledigen Schulterspezialisten mittlerweile im Vorbeigehen. Außerdem ist der Eingriff recht gemütlich: Die Patienten werden meist in »Beach-Chair-Stellung« gelagert. Dabei sitzt der Verletzte wie im Strandsessel am OP-Tisch in Narkose zweifelsohne und der Chirurg arbeitet laparoskopisch, das heißt, wie durch ein Schlüsselloch. Über ganz kleine Hautschnitte verschafft sich der Operateur Zugang zum Gelenk. Nach dem Eingriff kann so eine schnellere Genesung stattfinden und die Rehabilitationszeit zwischen dem »Beach-Chair«-Aufenthalt und einem Beach Soccer-Kickerl wird wesentlich verkürzt. Fans können freilich schon früher auf den Fußballplatz, sofern ihnen für heftiges HUMBA-Tanzen kein Stadionverbot ausgesprochen wurde.






erscheint am 12. Juli 2013.
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