Angeknackst gibt´s nicht
Hat man als Kicker nun den Verdacht, dass eine Rippe im Zweikampf lädiert wurde, gilt für den Besuch einer Unfallabteilung folgender Ratschlag: Verwenden Sie niemals den Satz: »Herr Doktor, ich glaub, ich hab mir eine Rippe angeknackst.« Unfallchirurgen bekommen üblicherweise einen Blutrausch, wenn sie das hören. Denn: Eine Rippe ist entweder gebrochen oder nicht gebrochen. »Angeknackst« gibt´s nicht zumindest nicht im Unfallmedizinerjargon. Wobei es am Röntgenbild wirklich manchmal so ausschaut, als wäre der Knochen nicht ganz durchgebrochen, sondern eben nur »angeknackst«. Fest steht, dass der Mediziner bei einem adäquaten Trauma eine Röntgenaufnahme des knöchernen Thorax anfertigen lässt. Und freilich muss an dieser Stelle verantwortungsbewusst die Empfehlung zur radiologischen Diagnostik ausgesprochen werden. Doch: Als Chefredakteur Krennhuber Reinhard neulich die Notfallambulanz aufsuchte, verletzt im Spiel gegen unsere Freunde vom Vizemeister der österreichischen Fußballmagazine, Null Acht, und entsprechend jammernd, wie es so die Art ist von Chefredakteuren und besonders von unserem , gab es keine Durchleuchtung seiner Rippen. Vordergründig, um Krennhubers Erbgut zu schonen, doch eigentlich, weil selten eine Konsequenz aus der Diagnose Rippenfraktur erwächst. Zumindest aus der unkomplizierten, nicht in der Lunge, der Milz oder der Leber verbohrten.
Nichtstun ist nicht Nichts tun
Bei den meisten Rippenverletzung lautet der ärztliche Ratschlag dann: »eine Ruh geben«. Bei großem Wehweh Schmerztabletten mit Magenschleimhautschoner konsumieren und abwarten. Das Gejammer des Wehleidenden muss man als Mediziner genauso aushalten wie der Patient den Schmerz. Denn eins steht fest: Sowohl die geprellte als auch die gebrochene Rippe, sind nichts Lustiges. Einige bis mehrere Tage vergehen bis zur Linderung. Jede Drehung des Oberkörpers, jedes tiefe Ein- und Ausatmen, selbst das Schnürsenkelbinden wird zur Pein. Und mancher Patient wird nicht glauben können, dass der Arzt eben nichts tut außer: informieren, zur weiteren Kontrolle einladen und Schmerzpulver verschreiben. Zumindest ein Mieder zur Entlastung wird von vielen Verunfallten erwartet, gar verlangt. Doch die Wissenschaft hat festgestellt, dass das ein Blödsinn ist meistens. Frei nach Regel 13 der Medizinerfibel »House of god« von Shem Samuel: »The delivery of medical care is to do as much nothing as possible«, therapiert man das Rippenweh oft konservativ. Wenn sich die gebrochene Rippe jedoch durch das Brustfell in die Lunge spießt, kann es knapp werden mit der Luft. Dann nämlich, wenn die Lunge mitsamt dem Patienten kollabiert. Die Rede ist vom sogenannten Pneumothorax, einer Komplikation bei Rippenfrakturen. Der Lungenflügel fällt dabei wie ein angestochener Luftballon in sich zusammen. Der Medizinmann greift in diesem Fall zu einer Bülau-Drainage, einem dünnen Gartenschlauch, den er von außen in den Brustkorb des Verunfallten einfädelt und an dessen extrathorakalem Ende sich eine Art Saugpumpe mit Wasserkammern befindet. Dieses System stellt die physiologischen Druckverhältnisse wieder her, und die Lunge kann sich erneut entfalten. Das Ganze schaut natürlich recht schauerlich aus, zudem blubbert die Drainage stetig vor sich hin, und den Teamkollegen wird meist schlecht bei diesem Anblick.
Dem Krennhuber Reinhard blieb eine solche Behandlung zum Glück erspart. Schnell erholt hat er sich von seiner Verletzung und genauso wie der Frings Torsten alsbald wieder Fußball gespielt.






erscheint am 12. Juli 2013.
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