Dr. Pennwiesers Notfallambulanz

Die Spielsucht grassiert in Österreich! Ansteckungsgefahr besteht auch auf dem Fußballplatz. Die Notfallambulanz nimmt ihren Bildungsauftrag wahr und informiert. Impfstoff können wir dennoch keinen anbieten.
Wolfgang Pennwieser | 01.02.2006
Wie die Schwammerln sind sie aus dem Boden geschossen und haben das Stadtbild der letzten Jahre nachhaltig geprägt: die Wettlokale. Wo früher eine Buchhandlung oder eine Textilreinigung stand, leuchtet einem nun in grellen Lettern »Wettbüro« entgegen. Neben Hunde-, Pferde-, oder Feldhasenrennen kann man dort auch auf den Ausgang von Fußballspielen tippen. Für den Experten eine vermeintlich gute Gelegenheit die Haushaltskasse aufzubessern. Denn nicht umsonst liest er täglich Berichte über alle Spiele von der Schutzliga bis zur Champions League. Geht zum Training des Lieblingsvereins und weiß daher, welcher Spieler in Form ist und das entscheidende Tor am nächsten Samstag erzielen wird.
Hier liegt der Hund begraben, meint der Psychologe Dr. Gruber Klaus. Die Gefahr bei der Sportwetterei bestehe in dem vermeintlichen Expertenwissen des Fußballfans. Der Anhänger glaubt, einen Informationsvorsprung gegenüber dem Laien zu haben. Dieser Glaube, gepaart mit dem Verlangen, aus den Kenntnissen Kapital zu schlagen, führt nicht selten zur Spielsucht.

 

Spielen im Pyjama

 

Spieler ist man noch keiner, wenn man ab und zu ein Wettlokal aufsucht und sich dem Nervenkitzel und der »lustvollen Anspannung« hingibt, die beim Wetten oder Glücksspiel aufkommt, meint Dr. Gruber. Dennoch kann sich auch daraus ein Suchtcharakter entwickeln, entscheidend ist die Motivationslage, mit der gespielt wird. Versucht man mit dem Glücksspiel die eigene Lebenssituation zu verbessern, weil schon 6000 Euro verloren wurden und keine andere Möglichkeit besteht, an so viel Geld zu kommen, ist man in einer  aussichtslosen Spirale gefangen. Ablenkung von privaten oder beruflichen Schwierigkeiten ist ein weiteres Motiv, das schließlich zur Sucht führen kann.
Verstärkt wird die Problematik in den letzten Jahren durch das Internetglücksspiel. Vollkommen anonym und kinderleicht kann man am virtuellen Glücksrad drehen. Musste sich der Spieler früher mit Anzug oder Abendkleid an den Spieltisch drängen, so kann er heute bequem im Flanellpyjama am Computer seinen Einsatz abgeben.

 

Fußballsüchtig

 

Ob die Gefahr bestehe, nach Fußball süchtig zu werden? Laut dem Wiener Psychologen ist auch das denkbar, man könne quasi nach allem süchtig werden. Die Notfallambulanz führte daraufhin einen Feldversuch in der ballestererfm-Redaktion durch, um das Ausmaß der Fußballsucht in den eigenen Reihen zu ermitteln.
Wir beschlossen einen kalten Entzug, sprich ohne adäquate Substitution, durchzuführen. Ziel der Übung war es, eine Woche keinen Fußball zu spielen, zu sehen beziehungsweise nicht über Fußball zu reden. Schon am ersten Versuchstag zeigten sich typische Entzugssymptome.
Neben Dysthymie, leichter Reizbarkeit und depressiver Grundstimmung, die von aggressiven Ausbrüchen begleitet wurden, kam es zunehmend zu sozialer Isolation und körperlicher Verwahrlosung der Testpersonen. Bereits am zweiten Tag wurde unser Salzburg-Korrespondent Hummer Robert vom Versuch ausgeschlossen. Dieser, erklärter Skeptiker gegenüber der Roten Bullerie, brach nächtens in das Stadion Wals-Siezenheim ein, gaberlte dort mit Viertelliter-Dosen und gab Stierlaute von sich. Als schließlich am vierten Versuchstag die Chefredakteure Krennhuber Reinhard und Kraft Stefan versuchten, den Kopf ihres Kollegen Spitaler Georg zu treten, musste das Experiment abgebrochen werden. Für die Sicherheit der Testpersonen konnte nicht mehr garantiert werden.

Referenzen:

Heft: 20
Rubrik: Serien
ballesterer # 82

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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