Die kalte Faust im Nacken
Für die Epistaxis gibt es freilich noch hundert andere Ursachen. Die ersten Therapiemaßnahmen sind aber immer die gleichen: auf den Nasenflügel drücken, Kopf nach vorne geben und einen kalten Fetzen ins Genick legen. Die Kälte sorgt für eine reflektorische Vasokonstriktion, die Gefäße in der Nase ziehen sich vor Entsetzen zusammen, und die Blutung lässt nach. Entgegen veralteten Ratschlägen soll der Kopf beim Nasenbluten nicht nach hinten gebeugt werden. Ansonsten fließt das Blut in den Rachen, wird geschluckt und verursacht Übelkeit. Bei Anhalten der Blutung wird der Arzt schließlich tamponieren und hierbei mit einem mehrere Meter langen Verbandsstreifen die Nase ausstopfen. »Danach ist für die Blutung meistens Feierabend«, meint Dr. Hübl triumphierend. Am Spielfeldrand kann man zunächst auch kleinere Tamponaden wie ein Taschentuch verwenden. Tränkt man dieses mit einem vasokonstriktorischen Medikament, wird die Blutung zumindest bis zum Ende der Partie stehen. Das ist wichtig, denn sobald einem Fußballer Blut aus der Nase schießt, hört sich für den Schiedsrichter der Spaß auf. Laut Regelbuch hat ein Referee dafür zu sorgen, dass ein Spieler mit blutender Wunde das Spielfeld zur Behandlung verlässt. Dieser darf erst wieder auf den Platz zurückkehren, wenn die Blutung gebändigt und das Trikot vom Blut gesäubert ist. Für die FIFA gilt ein blutender Spieler nämlich als unrein. So darf kein Tropfen des roten Lebenssaftes beim sauberen Fußballsport zu sehen sein eine recht abergläubische Haltung.
Nichts für Warmduscher
Mit Aberglauben haben die Direktiven, die der Arzt dem Patienten nach der Heilung vom Nasenbluten mitgibt, wenig zu tun. Damit sich die Kiesselbachschen Gefäße nicht aufs Neue
erweitern und das Blut wieder wie in Bächen aus dem Rüssel schießt, gibt es nämlich noch
mancherlei zu beachten: Die Einnahme von heißen Speisen oder Getränken, der Gang in die
Sauna und das Duschen mit warmem oder gar heißem Wasser sollten tunlichst vermieden
werden. Doch einem Kicker braucht man das nicht zu sagen: Denn Fußballer sind ohnedies
keine Warmduscher.






erscheint am 12. Juli 2013.
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