Es war einmal

cache/images/article_2015_pressecorner_140.jpg Das Jahr hatte kaum begonnen, waren wir schon mitten in der Faschingszeit. Bis zum Aschermittwoch am 13. Februar gaben sich die bunten Blätter reichlich Mühe, hübsche Narreteien von sich zu geben. Die deutsche Bild etwa ersann zu Jahresbeginn das Märchen vom bösen Admiraner eine Geschichte ohne Helden, jedoch mit Bösewichten, wohin man schaut. 
Mario Sonnberger | 12.02.2013
So gastierte die Wiener Austria zum Zweck des freundschaftlichen Vergleichs beim HSV. Mit ihr machte sich eine unter diesen Umständen ansehnliche Gruppe an Fans auf, um den Test mit einem Kurzurlaub im pittoresken Norden zu verbinden. Doch Obacht! Bild wusste um das Höchstrisiko für Leben, Leib und Eigentum der Hamburger. Denn Block 14A, der Auswärtssektor der Hinter-den-sieben-Bergen-Arena, war abgeriegelt! Das konnte nur eines bedeuten: »Rund um die Partie herrschen Sicherheits-Auflagen wie sonst nur gegen Pauli, Werder oder bei brisanten Europacup-Spielen.«

Im Reich der Fantasie
Das eigentlich Fantastische war aber nicht, Hamburg und Europacup im selben Artikel unterzubringen. Vielmehr das grässliche Ungeheuer, das Bild in das Märchen dichtete: die Admira! Die liebe graue Maus aus der Südstadt als böser grauer Wolf! Denn wisset: »Die Fans von Austria und Ösi-Rivale FC Admira Wacker sind sich spinnefeind. Deswegen sind heute auch zahlreiche Admira-Anhänger in der Arena natürlich im HSV-Block.« Man konnte sie vielleicht nicht sehen, die zahlreichen Fans, aber sie waren da! Und es begab sich, dass sie eine Rechnung offen hatten »mit den Pauli-Anhängern. So stehen sich zwei Fan-Blöcke gegenüber: HSV und Admira sowie Pauli und Austria. Brisanter geht es kaum.« Obwohl niemand zu sagen vermochte, wer wann und warum die Rechnung nicht beglichen hatte, stand fest: Hamburg würde verlieren. Doch auch eine Geschichte ohne stolze Ritter kann ein Happy End haben. Die Austria ließ den HSV zwecks Deeskalation gewinnen, und wenn die Admiraner nicht in St. Pauli versumpert sind, bereiten sie sich gerade auf das einzig wahre Wiener Derby vor das heiße Badner-Bahn-Duell zu Favoriten.

Schauermärchen
An und für sich wäre das Märchen hier zu Ende, doch soll zur Feiertags- und Faschingszeit auch von den Heiligen Drei Königen berichtet werden. Die nämlich und die unsägliche Sitte, den Sternsingern aus dem »Morgenland« braune Farbe ins Gesicht zu klatschen werden gewöhnlich in der Krone abgelichtet. Dass diese ihre Leserschaft von langer Hand an dunklen Teint gewöhnen muss, beweist ein Fundstück vom letzten Jahr. Da wurde Rapid-Amateur Osarenren Okungbowa als »dunkelhäutiger zentraler defensiver Mittelfeldspieler, aber Österreicher« beschrieben. Dunkel und trotzdem hier derart hat in der Krone schon so manch grimmige Schauergeschichte begonnen.

Referenzen:

Heft: 79
Rubrik: Serien
ballesterer # 120

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