Frankreich - Irland: Wie es wirklich war

cache/images/article_1314_48_coversc_140.jpg Viel wurde darüber geschrieben, viel diskutiert. Was sich am 18. November 2009, dem Tag des entscheidenden Playoff-Spiels zwischen Frankreich und Irland in der WM-Qualifikation für Südafrika, in Paris aber wirklich abgespielt hat, weiß nur der ballesterer.
Stefan Kraft | 02.12.2009
06.00: Der irische Nationaltrainer Giovanni Trapattoni steht auf, reißt ein Blatt seines Sprachlernkalenders ab und widmet sich der Aufgabe, zum Present Simple von »I speak« das Present Progressive zu bilden. 50 Minuten später ist er fertig und sieht sich eine Folge von »Calimero« im französischen Fernsehen an. Er muss schallend lachen, obwohl er nichts versteht.  (0)

06.15: Der französische Nationaltrainer Raymond Domenech wacht auf, betet fünfmal den Sonnengruß, nimmt anschließend eine Auradusche und schickt einen Wunsch an das Universum. (-1)

08.10: Giovanni Trapattoni trifft Robbie Keane in der Hotellounge und erklärt ihm die Aufstellung: »We mussen giocare come si dice in English? difensivo. Sette defenders und Ball alten.« Robbie Keane antwortet mit der Souveränität des Kapitäns: »Ai, ai«.  (+2)

10.15: Raymond Domenech spielt eine Partie Tarot über das Internet und beschließt anschließend die Taktik für den Abend. Die Mittelformation bildet den Großen Wagen, dahinter spielen die Verteidiger den Südlichen Fisch. Im Sturm ausschließlich Löwen mit Jungfrau im Aszendenten.  (-3)

11.23: Das irische Nationalteam beginnt mit dem Abschlusstraining. Geübt werden Befreiungskrieg, Ausfüllen der Visa-Anträge für die USA und das Dekorieren eines Pubs mit Guinness-Blechschildern.  (0)

11.47: Das französische Nationalteam begibt sich zu einer letzten taktischen Besprechung und Klangschalenmassage. Domenech ermuntert seine Spieler zur Bildung von Dreiecksbeziehungen und einer revolutionären Verfassung. Anschließend lässt er sie mit verschlossenen Augen eine Zeitung lesen.  (-4)

15.00: Zahlreiche irische Fans werden vom Sicherheitsdienst aus dem Louvre geworfen, weil sie versucht hatten, in der keltischen Sammlung ihre Goldschätze zu vergraben und ihre Pfeifen zu säubern.  (+4)

18.00: Das französische Nationalteam trifft im Stade de France ein.  (-3)

20.50: Das irische Nationalteam trifft im Stade de France ein. Giovanni Trapattoni hat dem Fahrer den Weg erklärt.  (-3)

21.01: Das entscheidende Spiel um die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika zwischen Frankreich und Irland beginnt. Die Iren haben die taktischen Anweisungen ihres Trainers vergessen und spielen das beste Spiel ihres Lebens. Die Franzosen haben die taktischen Anweisungen ihres Trainers nie verstanden und sehen hilflos zu.  (+4)

21.33: Robbie Keane erzielt das 1:0 für Irland nach einem Zuspiel von Damien Duff. Die Welt lacht sich einen Ast.  (+16)

21.45: Der letztwöchige Antrag des ballesterer an Sepp Blatter, sowohl Griechenland wie auch die Ukraine wegen 90 Minuten andauernder unschöner Szenen im ersten Play-off-Spiel von der WM-Teilnahme auszuschließen, bleibt unberücksichtigt. Griechenland gewinnt das Rückspiel und darf nun drei WM-Spiele lang die ganze Welt langweilen.  (-4)

22.30: Portugal reist nach einem 1:0 in Bosnien ebenfalls nach Südafrika. Die positiven Aspekte daran: Mannschaft und Fans bekommen endlich einmal etwas Ordentliches zu essen und lernen möglicherweise bei ihrem Aufenthalt in einem fremden Land auch, wie man unfallfrei Auto fährt.  (-1)

22.31: Slowenien besiegt Russland mit 1:0, weil die russischen Spieler offenbar mit dem falschen Blut gedopt wurden. Bernhard Kohl erklärt sich für schuldig, Kate Allen und Steffi Graf schalten ihre Anwälte ein.  (+2)

23.12: In der 103. Minute peppelt sich Thierry Henry (Sternzeichen: Sauzechn) den Ball mit der Hand zurecht, übergibt ihn dann an William Gallas, der mit der Schulter einschießt. Der irische Torhüter Shay Given beschwert sich lautstark, da offensichtlich auch ein Fuß im Spiel gewesen ist.  (-10)

23.34: Ein Eilantrag des ballesterer bei einem Genfer Gericht, den Schiedsrichter noch vor Ende der Partie unter Sachwalterschaft zu stellen, bleibt unberücksichtigt. Der offensichtlich nicht geschäftsfähige Schwede (Sternzeichen: Vollgummi) pfeift das Spiel ab und begibt sich auf Urlaub in eine der letzten französischen Kolonien.  (-4)

23.52: In einer Pressemitteilung erklären irische EU-Gegner ein Wiederholungsspiel für obligatorisch. Schließlich würden in ihrem Land auch Referenden so oft wiederholt, bis das gewünschte Ergebnis herauskommt.  (+2)

23.53: Der irische Nationaltrainer Giovanni Trapattoni trinkt einen Red Bull vor dem Schlafengehen, weil er den Text auf der Dose nicht versteht.  (0)

23.57: Sepp Blatter gratuliert Nicolas Sárközy auf dessen Yacht in der Seine.

23.59: Der französische Nationaltrainer Raymond Domenech löst seine Wette ein und rasiert sich die Augenbrauen ab. Danach schläft er im Kopfstand ein.  (-2)

Vorschau auf das nächste Jahr: Der ballesterer verzichtet auf weitere Anträge an die FIFA und startet stattdessen eine weltweite Kampagne unter dem Motto »Kein Ballez den Bleus«. Millionen von Fans schließen sich via Twitter, Facebook, GPS, UMTS und Kettenbriefe der Protestbewegung an und erzwingen so eine Aufnahme Frankreichs in die Liste der Schurkenstaaten.

Referenzen:

Heft: 48
Rubrik: Serien
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png