Fußballerpension für alle

cache/images/article_1864_berger_140.jpg Politiker, entnehme ich einer aktuellen Statistik, ist sowohl in der Europäischen Union als auch in Österreich der unbeliebteste Beruf. Was sich allerdings nicht deckt, ist die Silbermedaille für schief Angesehene im europäischen Durchschnitt wird sie Autoverkäufern umgehängt, in Österreich Fußballern, die in der europäischen Asshole Parade mit jenen die Plätze tauschen. Am beliebtesten sind Feuerwehrmänner.
Clemens Berger | 29.05.2012
Was man aus einer gewissen proletarischen Perspektive als beruhigend empfinden könnte, ist das genaue Gegenteil. Warum hasst man den Fußballer? Weil er, wenn er es geschafft hat, obszön viel verdient? Geschenkt. Weil er, wenn er etwa Cristiano Ronaldo heißt, auch noch gut aussieht, so durchtrainiert und eitel ist, dass der Fußballfreund vorm Fernsehgerät noch einmal seinen Bauch abtastet, ehe er das nächste Bier öffnet, oder der Kommentator zum neunten Mal »El Gockel« sagt? Dann reist er auch noch durch die Welt, jubelt auf dem Bildschirm und aus Zeitungen, außerdem verbringt er viel Zeit an der frischen Luft.

Was man dem Fußballer aber niemals verzeiht, ist, dass er nicht arbeitet. Auch wenn alle Idioten der Welt die Arbeit im Dienste anderer verherrlichen, wenn jeder Manager, Trainer, Journalist und ein Großteil der Spieler das Wort im Mund führen Fußballspielen ist keine Arbeit, und wer es als solche sieht, ist Ideologe oder als Kicker verloren. Hier verschwimmen die Grenzen zum Künstler. Beide tun, was sie am liebsten tun, vielleicht, was sie tun müssen, um der Arbeit zu entrinnen; wenn es gut geht, verdienen sie unvorstellbar viel Geld, das in keinem Verhältnis zur sogenannten Leistung steht. Der sagenumwobene Eisenbahner geht mit 50 in Pension, der Fußballer mit 35. Er zeigt uns, dass das Leben anders sein kann.

Clemens Berger ist Schriftsteller und spielt im Österreichischen Autorenfußballteam. Zuletzt erschien sein Roman »Das Streichelinstitut«.
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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