In der Mixed Zone: „St. Depri“

cache/images/article_2482_mixed_zone_140.png Im August 2014 nahm sich ein Fan des FC St. Pauli das Leben, er litt an Depressionen. Viele seiner Freunde und Bekannten wussten nichts von seiner Erkrankung. Aus Trauer und Schock in der Fanszene entstand die Initiative „St. Depri“. Wir sprachen mit Roland Thiel und Kristina Tomczak.

ballesterer: Was ist das Ziel von „St. Depri“, und wer ist dabei?

Thiel: Zum einen Leute, die selbst an Depressionen erkrankt sind, dann Angehörige und Freunde, aber auch Personen, die im therapeutischen Bereich arbeiten. Wir wollen über das Krankheitsbild informieren – das ist mitunter diffus, manchmal wollen es Betroffene und ihr Umfeld auch nicht wahrhaben. Bei unserem monatlichen Stammtisch im Fanladen gibt es Kurzvorträge und Gruppendiskussionen. Das ist ein offenes Angebot, durch unser Netzwerk können wir aber auch therapeutische Gespräche vermitteln.

 

Wie schauen die Selbsthilfeangebote der Gruppe aus? 

Tomczak: Ein Symptom von Depressionen kann sein, dass Briefe ungeöffnet bleiben und sich stapeln. Deswegen veranstalten wir zweimal im Monat den „Brieföffner“. Dort bringen Leute ihre Post mit, die gemeinsam geöffnet wird, und es ist auch gleich jemand da, wenn der Inhalt dich überfordert. Weil bei Depressionen oft die sozialen Kontakte leiden, gibt es dann noch den „Aufraffer“: Da wirst du bei Heimspielen zu Hause abgeholt, und man geht gemeinsam zum Stadion. Und dann haben wir noch die Sportgruppe „St. Depri bewegt sich“. 

 

Welche Rolle spielen dabei der Fußball- und Fanbezug?

Thiel: Durch Plakate sind wir seit Mai auch im Millerntor präsent, aber vor allem sinkt durch den gemeinsamen Fußballbezug die Hemmschwelle. Wir treffen uns im Fanladen im Stadion, das ist etwas anderes als eine Klinik oder Arztpraxis. Du bleibst in einem Umfeld, das du kennst und in dem du dich sicher fühlst. Außerdem gibt es gleich ein verbindendes Element. Will jemand beim Stammtisch nicht über die Krankheit reden, dann gibt es immer noch St. Pauli. Wenn sich ähnliche Gruppen bei anderen Klubs gründen, freut uns das natürlich auch. 

Referenzen:

Heft: 103
Verein: FC St. Pauli
ballesterer # 115

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 20.10.2016.

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