In der Mixed Zone: Andreas Rüttenauer

cache/images/article_2187_mixed_zone_140.png Seit zwei Jahren verpixelt die Berliner taz alle Sponsorenlogos auf ihren Sportseiten, weil sie den Unternehmen keine kostenlosen Werbeflächen bieten will. Im August änderte die Redaktion eine Woche lang die Strategie: Sie druckte unverpixelte Fotos ab und stellte den abgelichteten Sponsoren die Anzeigenleistung in Rechnung. Sportredakteur Andreas Rüttenauer im Kurzinterview.
ballesterer: Die taz hat Forderungen von rund 70.000 Euro an verschiedene Sponsoren gestellt. Hat irgendjemand gezahlt?
Andreas Rüttenauer: Nein, leider nicht. Wir haben schon die ersten Mahnungen verschickt, danach sind immerhin ein paar Reaktionen eingegangen. Die meisten haben einfach ihr Unverständnis geäußert. Nur Evonik, der Trikotsponsor von Borussia Dortmund, hat uns unsere eigene Aktion noch einmal lang und breit erklärt - und unsere Kreativität gelobt. Leider haben sie nicht versprochen zu zahlen.

Was ist Ihre Eskalationsstrategie? Werden Sie ein Inkassobüro beauftragen?
Das ist schwierig. Wir haben das über die Redaktion gestartet, und nicht über die Vermarktungs- und Buchhaltungsabteilung, weil es ja keine wirkliche Anspruchsgrundlage für unsere Rechnungen gibt. Keine der Firmen hat je eine derartige Anzeigenleistung bestellt. Wir wollten unseren Lesern zeigen, wie viel der Platz wert ist, auf dem sich die Unternehmen Werbung erschummeln. Die Firmen wissen übrigens ganz genau, was das bringt: Fotoabdrucke in Printmedien machen rund 30 Prozent der Reichweite von Trikotwerbungen aus.

Welche sonstigen Reaktionen gibt es auf den Verpixelungsprotest der taz?
Mir haben auch schon einige Kollegen aus anderen Sportredaktionen gesagt, dass sie sich aufgrund der Aktion Gedanken darüber gemacht haben, was sie da eigentlich täglich abdrucken. Diese Verpixelungen sind mittlerweile ein Markenzeichen von uns geworden, dabei wollten wir eigentlich nur unsere Leser vor dieser dauernden Werbeberieselung verschonen. Das war nicht als große antikapitalistische Aktion gegen die Kommerzialisierung des Fußballs gedacht.

Referenzen:

Heft: 86
Rubrik: In der Mixed-Zone
ballesterer # 121

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 18.05.2017.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png