Krank(l)

cache/images/article_1573_nfa_zolles_140.jpg NOTFALLAMBULANZ Krankl Hans soll als Aktiver selten krank gewesen sein. Doch wann kann man von krank sein und von gesund sein sprechen? Und wie krank oder gesund ist der heimische Fußball?
Wolfgang Pennwieser | 30.11.2010
»Der Krankl ist ein Urwaldmensch.« Das behauptet zumindest der Dr. Lugscheider Robert, ehemaliger Langzeit-Rapid-Arzt und ursympathischer Mensch. Der Krankl habe sich fast nie verletzt. Er sei so in der Balance gewesen, körperlich-koordinationsmäßig, dass ihm viele Verletzungen erspart geblieben seien. »Es gibt begnadete Typen wie den Hans, die von Natur aus ein derartiges Gleichgewicht haben«, sagt der Lugscheider. Er schwärmt heute noch, wenn er an den Körper, die Muskeln, die Ausdauer, die Schnelligkeit und die Kraft der Stürmerlegende denkt. Krankl war demnach selten krank.

Mit der Notfallambulanz gesund durch den Winter
Doch was versteht man unter krank sein? Gilt man automatisch als gesund, wenn man nicht krank ist? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meint Nein und definiert folgendermaßen: »Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Fehlen von Krankheiten und Gebrechen.« Körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden erlangen manche Menschen nur, wenn sie den neuen ­ballesterer aus ihrem Postkasterl holen oder die Nationalmannschaft in der allerallerletzten Minute den Ausgleich schießt oder der Arnautovic Marko einen »Ich-schau-woanders-hin-als-ich-passe-Pass« spielt. Das heißt, die Momente, in denen man wirklich gesund ist, sind rar. Wie man den Zustand dazwischen bezeichnen könnte, bleibt von der WHO undefiniert: dahinvegetieren, »eh-ganz-okay-gehen«, vor sich hinwurschteln oder gar Lethargie? Vielleicht ist der Zustand zwischen gesund und krank sein vergleichbar mit dem subjektiven Befinden in der viel zu langen Winterpause. In Zeiten, in denen die hysterische Skiberichterstattung das Land überflutet und der heimische Fußball nur mehr auf der ORF-Teletextseite 222 stattfindet, fühlt man sich nicht mehr wirklich wohl, doch für den Krankenstand reicht es meistens nicht.

Verhaltenskreativ und gesund
Wie gesund sind nach der WHO-Definition unsere Fußballer? Hier besteht eine Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung des Spielers, der medizinischen Ansicht und der Bewertung der Fans. Der vermutlich stets manische oder zumindest hypomane Maierhofer Stefan würde sich, so wie alle Maniker, selbst als (psychisch) gesund einschätzen. Während nach der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-10) der manisch Kranke unter anderem durch seine gehobene und expansive Stimmung, seine gesteigerte Aktivität, Ruhelosigkeit und überhöhte Selbsteinschätzung beschrieben wird. Ein Verhalten, das auf dem Fußballfeld durchaus gefragt ist erst recht bei der chronisch ängstlichen österreichischen Nationalmannschaft. Einem solchen Team tun auffällige Kicker gut. Es macht einen Unterschied, ob ein solider, aber viel zu braver Jantscher Jakob die Seiten auf und ab trabt oder ein verhaltenskreativer Arnautovic Marko an derselben Stelle seine Spaßettln macht. Die Mannschaft ist mit einem Maierhofer Stefan, der wie ein Irrer jedem Ball hinterherrennt und seine Mitspieler dadurch mitreißt, eine andere als mit dem zwar technisch kundigeren, aber viel zu besonnenen Janko Marc an der Spitze. Charaktere tun dem Spiel gut. Die »gesunde« Mischung aus »verrückten« Aufgeigern und soliden Kickern gilt es zu finden. Denn mit elf Kleins, Wolfs oder Linzs ist nichts zu gewinnen. Hofmann Steffen meinte einst, dass es gut sei, einen Typen wie den Maierhofer Stefan in der Mannschaft zu haben, zwei von der Sorte würde ein Team jedoch nicht aushalten. Ähnliches hat wohl auch für den Urwaldmenschen Krankl gegolten.

Referenzen:

Heft: 58
Rubrik: Thema
ballesterer # 120

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