Revolutionsführer Luigi Enrico

cache/images/article_1783_pechino_140.jpg Die Roma-Fans haben seine Bestellung als Kulturrevolution bezeichnet. Ihr neuer Guru heißt Luis Enrique Martinez Garcia. In Italien wurde er im Sommer aufgrund seiner Philosophie wie ein Außerirdischer empfangen.
Matteo Patrono | 13.02.2012
Viel Platz für die Jungen, Besessenheit vom schönen Spiel, nie eine Banalität gegenüber der Presse, nie ein Wort über die Schiedsrichter. Neugierig empfangen, bei den ersten Problemen als Idiot verspottet, wird er jetzt, wo sich seine Philosophie in Siege umsetzt, bejubelt. Die Revolution ist die klassische Mischung aus Geometrie, Kunst des Krieges und Schlamperei, die den Fußball schön macht. Zuerst säen die neuen amerikanischen Eigentümer im Stadio Olimpico die Saat der Barcelona-Ideologie. Sie vertrauen auf Luis Enrique, den ehemaligen Trainer von Barcelona B. Das Barcelona geht für die Öffentlichkeit in Ordnung. Es ist das B, das für Skepsis sorgt und durch einige leichtsinnige Entscheidungen sofort bestätigt wird: In der Qualifikation für die Europa League spielt Okaka statt Totti, die Roma fliegt gegen Slovan Bratislava hinaus.

 

Die Kritik wird lauter. Der Trainer hat zwar eine Idee und vielversprechende Talente, aber keine Flexibilität und wenig Selbstironie. Die Fans halten stoisch durch. Auch Luis Enrique hält durch. Er überzeugt Totti, im Mittelfeld zu spielen, holt gegen Juventus ein Unentschieden und gewinnt gegen Napoli. Er rettet sein Amt und kann zu Weihnachten in Ruhe Pandoro, Panettone und Torrone essen.


In Rom nennen sie ihn Luigi Enrico. Seine schönste Charakterisierung steht in einem Facebook-Eintrag von »Kansas City 1927«: »Er ist anarchisch, er vermischt Gedanken und Ideen, er ist ein demokratischer Faschist, er ist fortschrittlich und streng zugleich. Er hat das unzuverlässigste und ungeduldigste Wahlvolk der Welt dazu gebracht, das Transparent »Nie wieder Sklaven des Ergebnisses« aufzuhängen. So etwas hat es hier noch nie gegeben.« Lang lebe die Revolution!


Matteo Patrono ist Sportchef der italienischen Tageszeitung »Il Manifesto«.

Referenzen:

Heft: 69
Rubrik: Serien
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