die Möglichkeiten für Transfers innerhalb Österreichs wie auch vom und ins Ausland. Unter
der NS-Herrschaft dominierten politische Motive, die Freizügigkeit und Freiwilligkeit der
Fußballmigration waren stark eingeschränkt. Die Wahl des Vereins, wer das Land verlassen
durfte oder musste, wer umgekehrt hier leben und spielen konnte all das war nicht von
Übertrittsbestimmungen und Angeboten abhängig, sondern von der NS-Politik und dem
Kriegsverlauf. Bei unfreiwillig zurückgekehrten Legionären oder Kickern, die bestimmten
Klubs oder Wehrmachtsauswahlen zugeteilt wurden, greift das Konzept des Transfers
ebenso wenig wie bei »rassisch« oder politisch verfolgten Flüchtlingen. Für etliche jüdische
Kicker und Funktionäre bedeutete die Flucht vor der Verfolgung das vorläufige oder endgültige Ende ihrer Fußballkarriere. Manche, wie der Hakoahner Norbert Lopper (siehe Teil 13 der Serie), betrieben auch nach der Vertreibung zumindest zeitweise den Sport weiter. Jenen jüdischen Kickern, die im März 1938 in der Fremde engagiert waren, blieb nach dem »Anschluss« die Rückkehr verwehrt.
»Heim ins Reich«
Umgekehrt wurden viele der rund hundert auf dem ganzen Kontinent verstreuten österreichischen Fußballer, wie Johann Skocek und Wolfgang Weisgram in »Das Spiel ist
das Ernste« formulieren, »von der sich über Europa ausbreitenden Welle antideutscher
Emotionen quasi nach Hause gespült«. Inwieweit bei der von der gleichgeschalteten Presse
bejubelten Heimkehr von Legionären in die nunmehrige »Ostmark« Sympathie mit dem
neuen Regime mitspielte, sei dahingestellt, wahrscheinlich lagen die Gründe vorwiegend
in der unsicheren politischen Lage. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verstärkten sich
die Ressentiments noch, Österreicher galten in vielen Ländern als »feindliche Ausländer«.
Vor allem aus Frankreich, wo sich in den 30er Jahren besonders viele Österreicher
verdingt hatten, war der Exodus beträchtlich. Obschon einige blieben, manche sogar als
»naturalisierte« Franzosen, verließ die Mehrheit ihr Gastland. So kehrte beispielsweise im
Oktober 1940 Karl Gall nach vier Jahren aus Frankreich zurück, erhielt aber erst ab Februar
1941 die Spielberechtigung für die Austria. Der Mitropacup-Sieger und Wunderteam-Spieler
wurde 1942 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und verlor 1943 in Russland im Alter von 38 Jahren durch eine Mine das Leben. Auch aus anderen Ecken Europas strömten österreichische Legionäre nach Hause. Der auf Malta engagierte Ex-Simmeringer Alex Svoboda berichtete später, er sei von den Briten regelrecht zur Abreise gedrängt worden. Ab 1941 in den Diensten von Hitlers Armee stehend, hätte er Details über die maltesische Festung preisgeben sollen, doch er weigerte sich. Als einziger Wiener Fußballer verblieb der Hakoahner Leo Drucker auf der Mittelmeerinsel. Seine Fußballmigration war zur Flucht vor dem Nationalsozialismus geworden.
Ausländer und »Volksgenossen«
Die Nazis betrachteten das Legionärswesen als Ausdruck des »jüdischen« Profisports, den sie bereits im April 1938 abschafften. Ausländer passten nicht in ihr Bild nationaler Stärke und sollten, ähnlich wie im faschistischen Italien, wo bereits 1926 der Ausschluss aller Legionäre beschlossen worden war, im deutschen Sportbetrieb keine Rolle mehr spielen. Fußballern aus »Feindstaaten« war mit Kriegsbeginn ohnehin die Möglichkeit für Engagements genommen. Klagen über die vermeintliche »Überfremdung« bei Wiener Klubs hatte es schon in den 20er Jahren gegeben. Nun kickten tatsächlich kaum noch Ausländer in der »Gau-Meisterschaft«. Eine bekannte Ausnahme stellte die Vienna dar, die einen Spieler aus dem deutschen Vasallenstaat Kroatien in ihren Reihen hatte.
Dafür setzten fast alle Klubs Deutsche ein, und viele Österreicher traten für deutsche Vereine an, galten sie doch seit Juli 1938 automatisch als Reichsangehörige. So war Rapid-Stürmer Lukas »Harry« Aurednik beim Spandauer SV und bei Koblenz wie auch bei Wehrmachtsmannschaften aktiv. Franz Erdl stand als Gastspieler des Dresdner SC sogar im Finale der Deutschen Meisterschaft 1943 und gewann jenen Titel, den er im Jahr davor mit seinem Stammverein Vienna nicht erreicht hatte.
Beliebigkeit im Krieg
Während des Zweiten Weltkriegs litt der Spielbetrieb beträchtlich unter den Einrückungen, die Mannschaften mussten vermehrt Gastspieler, Urlauber und Jugendliche einsetzen (siehe Teil 1 der Serie). Der Kader von Rapid umfasste in der Saison 1942/43 35 Spieler, darunter acht Torleute. »Die Lockerung der Spielerlaubnis war so weit gegangen, dass ein Spieler, besaß er die Freigabe seines Heimatvereins, praktisch überall sofort antreten konnte«, resümiert Matthias Marschik. Zusätzlich zur laxen Handhabung der Übertrittsbestimmungen wurde kräftig gemogelt. Gefälschte Spielerpässe und ständige Neuanmeldungen waren an der Tagesordnung. Ablösen wurden nicht mehr bezahlt, vielmehr zählten bei der Verpflichtung von Gastspielern die richtigen Verbindungen und illegale Geldflüsse.
Im Herbst 1943 unternahm die Führung den Versuch, das Chaos durch Neuregelungen zu bändigen, die ab Frühjahr 1944 gelten sollten. Vereinswechsel wurden wieder strenger
reglementiert, und in den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft durften nur noch
Spieler auflaufen, die in dieser Saison zumindest zwei Meisterschaftsbegegnungen für ihren
Klub bestritten hatten. Doch letztlich ging es 1944/45 im Fußball nur noch um die Aufrechterhaltung der Unterhaltung unter widrigsten Bedingungen.






erscheint am 12. Juli 2013.
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