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cache/images/article_1401_53green_140.jpg Schon vor Beginn der Fußball-WM stehen in Südafrika die großen Gewinner und Verlierer fest. Während Obdachlose in Auffanglager gesteckt werden, schieben die FIFA, ausländische Konzerne und einheimische Politiker einander die Profite zu.
Gerald Hödl | 21.05.2010

Es mag kaum überraschen. Wie vor sportlichen Großereignissen üblich, wurde auch in Südafrika eine vielstimmige, mit gehörig Prominenz angereicherte Propagandamaschine angeworfen, um die enormen Kosten des Mega-Events zu rechtfertigen. Zur Entwicklung des Landes werde die WM beitragen, Arbeitsplätze schaffen und den Tourismus ankurbeln. Das Image des Landes und des gesamten Kontinents werde verbessert und die südafrikanische Gesellschaft, die »Rainbow Nation«, weiter zusammenwachsen. Nach derzeitigem Stand: eine Reihe leerer Versprechungen.

Auffanglager für Straßenkinder
Durch die Öffentlichkeit spuken währenddessen die alten Gespenster: Ausgerechnet die Ermordung des notorischen Rechtsextremisten Eugène TerreBlanche Anfang April veranlasste die internationalen Medien dazu, aufs Neue die südafrikanische Gewaltkriminalität von sorgenvoll wackelnden Kommentatorenköpfen inspizieren zu lassen. Zugleich erscheint das »bessere Leben für das südafrikanische Volk«, wie es der damalige Präsident Thabo Mbeki im Jahr 2006 verkündete, für große Teile der Bevölkerung weiterhin als unerreichbares Ziel.


Für einige Bevölkerungsgruppen bedeutet die WM sogar eine spürbare Verschlechterung ihrer Lage. Seit Monaten berichten südafrikanische Medien, dass in den WM Austragungsorten Bettler, Drogensüchtige und Prostituierte immer stärker ins Visier der Polizei geraten. Bereits im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurden in mehreren Großstädten (Johannesburg, Durban, Kapstadt) Straßenkinder und andere Obdachlose aus den Stadtzentren entfernt und in Auffanglagern untergebracht.


Den ausländischen Fußballfans bleibt der Anblick der Deklassierten damit ebenso erspart wie deren angebliche kriminelle Neigungen. Auch die zahlreichen Straßenhändler werden von der Weltmeisterschaft nicht profitieren ganz im Gegenteil. Sie sind aus den lukrativsten Bereichen rund um die Stadien und in den offiziellen Fanzonen ausgesperrt, wo ähnlich wie bei der WM 2006 Geschäftspartner der FIFA wie Budweiser, Coca-Cola und McDonalds exklusive Verkaufsrechte besitzen.


Eine weitere Gruppe, auf die sich die WM fatal auswirkt, sind die Bewohner von Elendsquartieren, sofern sie dem Ausbau von Sportstätten oder  Verkehrsachsen im Weg sind oder auch nur dem Bedürfnis der lokalen Machthaber, ihre Stadt zu »verschönern«. Schließlich geht es den südafrikanischen Eliten nicht zuletzt darum, der Welt ein Bild Südafrikas zu vermitteln, aus dem die Armut weitgehend getilgt ist. So wurden etwa in Kapstadt informelle Siedlungen entlang der Verbindungsstraße zwischen Flughafen und Stadtzentrum abgerissen und durch neue Mietwohnungen ersetzt, in die allerdings nur ein Teil der ursprünglichen Bewohner zurückkehren durfte. Die übrigen Betroffenen müssen so wie andere Zwangsumgesiedelte vorerst mit am Stadtrand gelegenen »Temporary Relocation Areas« vorliebnehmen. In Blikkiesdorp, der Tin Town, leben sie jetzt in Wellblechhütten unter desolaten hygienischen Bedingungen, weit entfernt von ihren früheren Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und Schulen.

Die Brosamen der FIFA
Nach außen präsentiert sich das Veranstalterland der WM 2010 gänzlich anders mit Unterstützung seiner Partner. Im nur wenige Kilometer von Blikkiesdorp entfernten Khayelitsha, dem größten Township von Kapstadt, heißt es seit Dezember 2009 »Football for Hope«. So nennt sich jenes Programm, das Jugendlichen in mehreren afrikanischen Städten nicht nur eine moderne Fußballinfrastruktur bietet, sondern auch Bildungsmaßnahmen unterstützt. Finanziert wird es zum größten Teil aus Mitteln der FIFA, die damit ihr soziales Verantwortungsbewusstsein zu zeigen versucht.

 
Doch dabei handelt es sich um Brosamen, die von jenem reich gedeckten WM Tisch fallen, an dem die FIFA genüsslich tafelt. Von 2002 bis 2006 lag ihr Gesamtgewinn, der fast ausschließlich den Fußball-Weltmeisterschaften zu verdanken war, bei 816 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet mehr als 500 Millionen Euro). Auf der Einnahmenseite kann die FIFA bei der WM 2010 mit weiteren Zuwächsen rechnen allein durch den Verkauf der Fernsehrechte werden über zwei Milliarden Euro eingenommen, mehr als bei den zwei vorangegangenen Weltmeisterschaften  zusammen.

 

Die Gewinne der FIFA fallen nicht zuletzt deshalb so enorm aus, weil der größte Teil der WM-Infrastruktur (insbesondere die Sportstätten selbst) vom Veranstalterland finanziert werden muss. Diese Investitionen liegen mittlerweile um ein Vielfaches über der ursprünglich veranschlagten Summe. Waren für den Bau bzw. die Modernisierung der Stadien anlässlich der WM-Bewerbung 818 Millionen Rand budgetiert worden, so hat sich diese Summe mittlerweile auf über zehn Milliarden Rand (knapp eine Milliarde Euro) mehr als verzehnfacht. Dazu kommen Infrastrukturinvestitionen in ungefähr derselben Höhe. Zum Vergleich: Der im Budget Südafrikas von 2009/10 für Landreform und restitution eines der drängendsten Probleme des Landes vorgesehene Betrag beläuft sich auf 5,4 Milliarden Rand.

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Printausgabe des ballesterer (Nr. 53/WM-Sonderausgabe ) Ab sofort österreichweit in den Trafiken!
 

Referenzen:

Heft: 53
Rubrik: Thema
ballesterer # 82

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