DAN: Mein erstes Match war LASK gegen Admira, eine relativ traurige Sache. Da wurde ich von meinem Vater hingeschleppt, der im Wohnzimmer auch immer diesen LASK-Polster gehabt hat. Mir hat Fußball schon getaugt, aber nicht der LASK, auch nicht nach diesem Spiel. Vielleicht war das sogar so etwas wie ein traumatisches Erlebnis. Jedenfalls bin ich nachher zu den Blau-Weißen konvertiert. Als ich angefangen hab?, mit meinem Bruder und seinen Freunden ins Stadion zu gehen, hat mich das Rundherum sehr fasziniert. Ich war so etwas wie ein braver, junger Beobachter. Wenn es wieder einmal zugegangen ist, dann hab ich mich auf die Seite gestellt und mir das Spiel angesehen.
HUCKEY: Ich hab selbst im Nachwuchs in Ebelsberg gekickt. Wenn die erste Mannschaft nicht gespielt hat, haben sie den Bus zur Verfügung gestellt, der dann mit uns ins Linzer Stadion gefahren ist. So hab ich zum ersten Mal die VÖEST gesehen. Weiter als bis zur Pommesbude hab ich mich aber nicht getraut, von dort hab ich dann immer zu den wilden Hund' hinüber geschaut. Bei mir war das ganze irgendwie nicht gegen, sondern mit dem Papa. Der war auch ein Vöestler, hat im Werk Schlosser gelernt. Auch wenn ich dann eine Zeit lang nicht mehr hingegangen bin, hat sich nie die Frage gestellt, ob ich mir den LASK anschaue. Das war nicht einmal eine Überlegung.
Auf eurer letzten Platte gibt es im Stück »Koida Kaffee« eine Textzeile, die sich mit den Anhängern des Stadtrivalen auseinandersetzt (»Du Prototyp von Prolo bist jo bleda wia de Fans vom LASK«). Wie haben die Leute darauf reagiert?
DAN: Im Internetforum von Blau-Weiß ist das natürlich gutgeheißen worden. Ich bilde mir ein, dass es auch von Lasklern Reaktionen gegeben hat, oder zumindest von Leuten, die es nicht verstanden haben.
HUCKEY: Ein Fan von Blau-Weiß hat mir vor dem Konzert im Posthof angedroht, mich von der Bühne zu fassen, wenn ich die Zeile nicht bringen würde. Ich hab ihm das garantieren müssen, auch wenn er seine Ansage später relativiert hat.
Kerzerl, Keli & Klischees
Ihr bestreitet eure Konzerte immer wieder im Fußballtrikot. Stößt das auf Gegenliebe?
HUCKEY: Im Wiener Chelsea hab ich einmal eine FC Linz-Dress mit Keli auf der Brust angehabt, was natürlich beim Othmar Bajlicz (Anm.: Besitzer und Ex-VÖEST-Kicker) und bei ein paar Leuten im Publikum Reaktionen hervorgerufen hat. Deshalb tut man das eigentlich auch. Weil man provozieren will oder weil man weiß, dass solche Leute dabei sind. Bei der Präsentation unserer letzten Platte in der Linzer Stadtwerkstatt hatte ich auch ein Blau-Weiß-Shirt an, das war ja auch ein Heimspiel.
Was halten die anderen Texta von eurem Fantum?
HUCKEY: Laima ist ein paar Mal zu den Spielen mitgegangen. Er war kurzzeitig interessiert, aber im Endeffekt war es ihm doch zu arg. Flip hat einmal im Nachwuchs vom LASK gespielt und schaut sich die Tabellen an. Wenn wir verlieren, dann verarscht er uns ein bisschen, aber er ist sicher kein Fan. Am härtesten ist eigentlich der Skero, für den sind wir die Fußballproleten, die ins Stadion gehen und blöd herumschreien. Das ist so wie mit HipHop. Man kann auch sagen, dass die HipHopper nur blöd herumhüpfen und sich am liebsten mit 15 Mädels zeigen. Aber dass beim Fußball eine ganze Kultur dran hängt, die Fanzines macht, die herumfährt und sich weltweit austauscht, das fällt dann eben unter den Tisch.
Fußballplatten zu machen gehört wohl auch zu dieser Kultur. Ihr habt ja selbst vor zehn Jahren als LinzSüdKartell den Track »Die Zukunft ist Blau-Weiß« für eine Fan-CD beigesteuert. Wie kam es dazu?
HUCKEY: Wir nannten uns so, weil wir alle ursprünglich aus Linz Süd sind. Der Martin Egger aus Pichling, ich aus Ebelsberg und der Dan aus Kleinmünchen, das ist wie eine Annäherung an das Zentrum.
DAN: Durch den Track waren wir auf einmal ziemlich bekannt an einem Linzer Gymnasium. Ein Freund von mir hat ihn in die Schule mitgenommen und er ist dann über Wochen im Klassenradio gelaufen.
So richtig finden HipHop und Fußball erst in den letzten Jahren zueinander. Mark Skinner von »The Streets« posiert im Stadion, der englische Kicker Kevin Campbell besitzt ein Plattenlabel. Kennt ihr Kollegen, die ähnlich drauf sind wie ihr?
DAN: Natürlich, da gibt es genug Bekannte und Freunde, die fußballfanatisch sind. Zum Beispiel der Holger von Total Chaos, die jetzt über Umwegen nach Wien gekommen sind. Sein Laden heißt nicht umsonst Goalgetter (Anm.: www.goalgetter.at). In Wien gibt es außerdem die Leute vom Message-Magazin, die alle Austrianer sind.
HUCKEY: Der Holger fährt beispielsweise am Vormittag von Linz nach Innsbruck zum Spiel, um am Abend in Linz wieder aufzutreten. Als der FC Tirol in Konkurs gegangen ist, hat er im Studio mit Zeitungsartikeln, einem Schal und einer Dress einen Altar gebaut. Da hat er dann Kerzerl angezündet. Außerdem ist er einer der Initiatoren des Fünften Elements. Das ist ein Fußballturnier, das im Anschluss an den legendären Stay Original-Jam stattgefunden hat. Der Holger hat damals zu mir gesagt, wir sollten Fußball zum fünften Element im HipHop machen. Und so haben wir eben einen Platz aufgestellt und ein Turnier ausgespielt.
Afrob, Ale & Altona
Besteht in Europa eine ähnliche Affinität zu Fußball, wie wir sie von den amerikanischen HipHoppern zu Basketball kennen?
HUCKEY: Das kann man so sehen, wir machen das halt mit unseren Geschichten. Der erste deutsche HipHopper, den ich in einer Fußballdress gesehen habe war Afrob im Stuttgart-Shirt bei Freundeskreis in Passau. Max Herre von Freundeskreis ist wiederum Kickers-Fan. Die Beginner sind natürlich St. Pauli. Jan Eißfeldt hat schon sehr bald ein Pauli-Leiberl auf der Bühne getragen.
Welche internationalen Vereine und Spieler üben einen besonderen Reiz auf euch aus?
HUCKEY: Mein Lieblingsspieler war immer Maradona, getaugt haben mir auch Cantona und Del Piero. Bei den Vereinen interessiert mich in England eigentlich nur West Ham. In Italien bin ich für Bologna. Das war irgendwie der erste Bezug und ich hab? sie schon daheim und auswärts gesehen.
DAN: International gibt es für mich nur eine Konstante und das ist trotz des vielen Geldes Real Madrid. Dass der FC Barcelona auf einen Schlag alle Unsympathler wie den Kluivert rausgeschmissen hat und auf einmal nur mehr coole Leute dort spielen, ist eigentlich ein Skandal.
Und wie schaut's aus mit der eigenen Kicker-Karriere?
HUCKEY: Ich hab wie gesagt bei Ebelsberg gekickt. Seit ein paar Jahren spielen wir wieder regelmäßig mit ein paar Leuten auf der Donaulände. Daraus hat sich eine Mannschaft geformt, die jeden Sommer an der antirassistischen Fußball-WM in Montecchio teilnimmt, wo wir schon fast einmal die Vorrunde geschafft hätten.
DAN: Ich hab auch bei Ebelsberg angefangen und wollte unbedingt zur VÖEST, aber sie haben mich nicht weg gelassen. Dann bin ich ein halbes Jahr gestanden und zu Vorwärts Steyr gegangen, wo ich eine Zeit lang mit falschem Pass gespielt hab - jetzt darf ich es ja sagen. Letztendlich war ich dann im Kader von Donau Linz, als sie in die Regionalliga aufgestiegen sind. Gleichzeitig ist es mit den Konzerten losgegangen. Ich hab zwar immer weniger trainiert, kann aber behaupten, in der Regionalliga auf der Bank gesessen zu sein.
Neben dem wöchentlichen Kickerl auf der Donaulände dürfte es bei den vielen Konzertverpflichtungen wohl schwierig sein, eure Leidenschaften unter einen Hut zu bekommen?
DAN: Wenn wir am Wochenende unterwegs sind und sich eine Möglichkeit ergibt, ein Match mitzunehmen, dann versuchen wir das auch zu sehen. Dieser kulturelle Aspekt ist noch immer sehr interessant, was sich vorher tut, welche Leute dort sind... Wenn da alles passt, sitzt du nachher bei Altona 93 im Klubheim.






erscheint am 12. Juli 2013.
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