Das schwarze Toto der Syndikate

Mit Fußballwetten kann man viel Geld verdienen. Besonders wenn man schon vorher weiß, wie die Spiele ausgehen werden. Dass Hoyzer und die Gebrüder Sapina keine Einzelfälle sind, beweist ein internationaler Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre.
Reinhard Krennhuber | 01.02.2006
Brasilien 2005: Die abgelaufene Meisterschaft im Land des fünffachen Weltmeisters wird vor dem Kadi entschieden. Weil FIFA-Schiedsrichter Edilson Pereira de Carvalho und sein Kollege Paulo Jose Danelon mindestens 25 Partien aus mehreren Ligen zu den Gunsten von Wettbüros manipuliert haben, müssen elf Spiele des Campeonato Brasileiro nachgetragen werden. Corinthians Sao Paolo holt aus den Wiederholungspartien vier Punkte mehr als in den von Carvalho geleiteten Matches und wird drei Zähler vor dem SC Internacional Meister. Eine Klage des unterlegenen Vereins aus Rio beschäftigt die brasilianische Justiz. Schiri Carvalho erhielt für seine Dienste pro Spiel bis zu 5.500 Euro, seine Auftraggeber sollen Gewinne in Höhe von knapp 400.000 Euro gemacht haben. Der als sehr religiös geltende Pfeifenmann, auf dessen Gelben und Roten Karten der Satz »Gott ist treu« stand, wurde vom Verband lebenslang gesperrt, ein Verfahren vor dem Zivilgericht ist anhängig.

Finnland 2005: Als der AC Alliansi Anfang Juli gegen Haka Valkeakoski mit 0:8 verliert, gehen die Wogen hoch in der Veikkausliiga. Auf die Niederlage wurde ungewöhnlich viel Geld gesetzt in Finnland, vor allem aber in China, der Heimat von Vereinseigentümer Ye Cheyun. Der mysteriöse Textilhändler hatte den Klub kurz zuvor über Mittelsmänner übernommen. Die wiederum stammen aus Belgien, wo Ye Cheyun zuvor im Zusammenhang mit Spielabsprachen beim Zweitligisten Geel ins schiefe Licht geraten war. Trotz der Indizien u. a. saß fast die gesamte Stammformation von Alliansi beim Debakel auf Bank und Tribüne kommt Finnlands Vizemeister mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro davon. Im Dezember platzt die nächste Bombe: Ein Profi eines finnischen Erstliga-Vereins erklärt in einem Interview anonym, er und weitere Spieler hätten für Ergebnisabsprachen während der vergangenen drei Jahre mehrere tausend Euro erhalten.

China 2005: Die chinesische Super-Liga wird von der größten Korruptionskrise ihrer Geschichte heimgesucht. Dem Präsidenten des Klubs Chongqing Lifan zufolge sind mindestens die Hälfte der Teams in Wettskandale verwickelt. Zeitungskommentatoren halten diese Einschätzung für viel zu vorsichtig. Hinter den Absprachen vermuten die Behörden Syndikate aus Indonesien und der Sonderverwaltungszone Macao, wo das Wettgeschäft besonders gut gedeiht. Die Folgen für den chinesischen Fußball sind fatal: Internationale Sponsoren ziehen sich zurück, das staatliche Fernsehen überträgt die Spiele nicht mehr live, mehrere Klubs stehen vor dem finanziellen Ruin. Aufgedeckt werden die Manipulationen nur in Einzelfällen, wie jenem des Schiedsrichters Gong Jianping, der 2003 für die Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe von 35.000 Euro für zehn Jahre hinter Gitter wandert.

Italien 2004: Die Staatsanwaltschaft in Neapel deckt Spielabsprachen mit hohen Gewinnen auf. 34 Spieler, Trainer und Funktionäre von 19 Profiklubs werden verdächtigt, Kontakte zur Camorra zu haben. Die Urteile in der Causa »Totonero« bleiben überraschend moderat: Dem Serie B-Klub AS Modena und dem Drittligisten Catanzaro werden fünf Punkte abgezogen, die Serie A-Vereine Sampdoria und Chievo kommen mit geringen Geldstrafen davon. Ex-Modena-Kicker Antonio Marasco wird für drei Jahre, Siena-Torhüter Generoso Rosso für ein Jahr gesperrt. Über Freisprüche freuen sich u. a. Chievo-Coach Luigi del Neri und Inter-Stürmer Nicola Ventola sowie der AC Siena. Italienischen Profis ist es seit einem früheren Skandal aus dem Jahr 2001 verboten, auf Fußballspiele zu wetten. Wer sich nicht daran hält, riskiert auch bei geringen Einsätzen eine Sperre von mindestens 18 Monaten.

Referenzen:

Heft: 20
Rubrik: Thema
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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