Finnland 2005: Als der AC Alliansi Anfang Juli gegen Haka Valkeakoski mit 0:8 verliert, gehen die Wogen hoch in der Veikkausliiga. Auf die Niederlage wurde ungewöhnlich viel Geld gesetzt in Finnland, vor allem aber in China, der Heimat von Vereinseigentümer Ye Cheyun. Der mysteriöse Textilhändler hatte den Klub kurz zuvor über Mittelsmänner übernommen. Die wiederum stammen aus Belgien, wo Ye Cheyun zuvor im Zusammenhang mit Spielabsprachen beim Zweitligisten Geel ins schiefe Licht geraten war. Trotz der Indizien u. a. saß fast die gesamte Stammformation von Alliansi beim Debakel auf Bank und Tribüne kommt Finnlands Vizemeister mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro davon. Im Dezember platzt die nächste Bombe: Ein Profi eines finnischen Erstliga-Vereins erklärt in einem Interview anonym, er und weitere Spieler hätten für Ergebnisabsprachen während der vergangenen drei Jahre mehrere tausend Euro erhalten.
China 2005: Die chinesische Super-Liga wird von der größten Korruptionskrise ihrer Geschichte heimgesucht. Dem Präsidenten des Klubs Chongqing Lifan zufolge sind mindestens die Hälfte der Teams in Wettskandale verwickelt. Zeitungskommentatoren halten diese Einschätzung für viel zu vorsichtig. Hinter den Absprachen vermuten die Behörden Syndikate aus Indonesien und der Sonderverwaltungszone Macao, wo das Wettgeschäft besonders gut gedeiht. Die Folgen für den chinesischen Fußball sind fatal: Internationale Sponsoren ziehen sich zurück, das staatliche Fernsehen überträgt die Spiele nicht mehr live, mehrere Klubs stehen vor dem finanziellen Ruin. Aufgedeckt werden die Manipulationen nur in Einzelfällen, wie jenem des Schiedsrichters Gong Jianping, der 2003 für die Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe von 35.000 Euro für zehn Jahre hinter Gitter wandert.
Italien 2004: Die Staatsanwaltschaft in Neapel deckt Spielabsprachen mit hohen Gewinnen auf. 34 Spieler, Trainer und Funktionäre von 19 Profiklubs werden verdächtigt, Kontakte zur Camorra zu haben. Die Urteile in der Causa »Totonero« bleiben überraschend moderat: Dem Serie B-Klub AS Modena und dem Drittligisten Catanzaro werden fünf Punkte abgezogen, die Serie A-Vereine Sampdoria und Chievo kommen mit geringen Geldstrafen davon. Ex-Modena-Kicker Antonio Marasco wird für drei Jahre, Siena-Torhüter Generoso Rosso für ein Jahr gesperrt. Über Freisprüche freuen sich u. a. Chievo-Coach Luigi del Neri und Inter-Stürmer Nicola Ventola sowie der AC Siena. Italienischen Profis ist es seit einem früheren Skandal aus dem Jahr 2001 verboten, auf Fußballspiele zu wetten. Wer sich nicht daran hält, riskiert auch bei geringen Einsätzen eine Sperre von mindestens 18 Monaten.






erscheint am 12. Juli 2013.
Abo bestellen