Der letzte Cup

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Der SC Eisenstadt gewann 1984 den Mitropa-Cup. Heute ist davon nichts mehr übrig - Klub, Bewerb und sogar das Stadion sind verschwunden.

Clemens Zavarsky | 08.02.2015

"Ich habe unlängst im Internet wieder ein Foto vom Lindenstadion gesehen." Karl Rupprecht wird wehmütig, wenn er über das mittlerweile abgerissene Lindenstadion in der burgenländischen Hauptstadt spricht. Der frühere Eisenstadt-Stürmer erinnert sich noch gut an Spiele gegen Rapid, die Austria und die Auftritte im Mitropa-Cup.

Waldweg nach Pristina
Dank des neunten Platzes in der Meisterschaft war Eisenstadt in der Saison 1983/84 im für Mittelklassemannschaften vorgesehenen Mitropa-Cup spielberechtigt. Die Gegner waren der FC Teplice aus der Tschechoslowakei, FK Pristina aus Jugoslawien und Vasas Budapest aus Ungarn, gespielt wurde im Meisterschaftsmodus. Für die Burgenländer war der Bewerb jedoch von Anfang an ein Verlustgeschäft. "Zu den Heimspielen sind nur ein paar hundert Zuschauer gekommen. Das hat im Verein keiner erwartet. Auch die mediale Resonanz war sehr gering", sagt Rupprecht. "Dafür war auswärts richtig was los." Unvergessen ist für den heute 52-Jährigen die Fahrt nach Pristina, die heutige Hauptstadt des Kosovo: "Wir sind nach Tirana geflogen, und dann ging es mit dem Bus drei Stunden auf einem Waldweg nach Pristina." 1:3 lagen die Burgenländer bereits zurück, holten dann aber noch ein 3:3. "Die Ränge waren voll, die Stimmung großartig." Beim 4:2-Heimsieg gegen die Jugoslawen steuerte Rupprecht zwei Tore bei.

Gegen Teplice setzte es im ersten Spiel eine 1:4-Niederlage. Nach einem 1:1 im Rückspiel und einem 2:1-Heimsieg gegen Vasas Budapest war der Mitropa-Cup-Sieg plötzlich in Reichweite. Auch wenn er längst seine Strahlkraft eingebüßt hatte, war den Spielern die frühere Bedeutung des Bewerbs noch bewusst. "Richtiges Europacupflair ist erst aufgekommen, als klar war, dass wir mit einem Sieg in Budapest den Bewerb gewinnen können", sagt Rupprecht.

Ein teurer Titel
Das schönste Spiel? "Budapest auswärts. Was heißt ,auswärts'?. Wir haben nicht einmal in Budapest gespielt, sondern in irgendeinem Dorf ein paar Kilometer außerhalb", sagt Felix Latzke, der nach der Winterpause das Traineramt bei Eisenstadt übernommen hatte. Gespielt wurde in Tapolca. Der 2:1-Erfolg und das gleichzeitige 1:1 von Pristina und Teplice bedeuteten den Sieg: "Eisenstadt gewann sensationell den Mitropacup", lautete am 26. April 1984 eine kleine Überschrift in der Kronen Zeitung.

"Mich erfüllt der Sieg heute schon noch mit Stolz", sagt Rupprecht. Doch es war ein teurer Sieg. Insgesamt kostete die Teilnahme dem SC Eisenstadt 250.000 Schilling, nach heutigem Wechselkurs ca. 20.000 Euro: "Eine Summe, die uns sicher sehr weh tut, aber in Anbetracht des Erfolges zu verschmerzen ist", bilanzierte der damalige Obmann Günther Horvath im Mai 1984.

Zwischen 1985 und 1990 stellte Österreich keinen Vertreter im Mitropa-Cup, 1991 versuchte sich Vorwärts Steyr als letzter österreichischer Verein, 1992 wurde der Bewerb eingestellt. Der SC Eisenstadt ging 2008 in Konkurs und löste sich auf. Drei Jahre später folgte der Abriss des Lindenstadions. 

Referenzen:

Heft: 99
Thema: Mitropa-Cup
Verein: SC Eisenstadt
ballesterer # 120

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