RINUS MICHELS
Einer von nur zwei Trainern, unter denen die Niederländer erfolgreich waren. Michels war für den Finaleinzug 1974 und den EM-Titel 1988 verantwortlich; Ernst Happel für den Finaleinzug bei der WM 1978. Kein Zufall wohl, dass beide ausgesprochene Peitschenknaller waren. So ist Michels Spitzname »General« eine grobe Verharmlosung, wenn man dem deutschen Torwart Toni Schumacher, Anfang der 80er beim FC Köln unter dessen Fuchtel, glauben darf: »Das Training war eine einzige Quälerei: Gymnastik, Laufen bis zur Erschöpfung, angefeuert durch beleidigende Bemerkungen wie Kriecher, Flaschen, Idioten, Dilettanten.« Nach der verpassten Titelverteidigung 1992 ließ Michels das Trainergeschäft sein und widmete sich der Tätigkeit in verschiedenen technischen Komitees der FIFA. Er starb 2005 77-jährig nach seiner zweiten Herzoperation in Belgien.
HANS VAN BREUKELEN
Nährt die Verschwörungstheorie, die baumlangen Torhüter der Holländer würden irgendwo zwischen Utrecht und Amsterdam in Reagenzgläsern gezüchtet. Sie sehen nämlich alle irgendwie gleich aus. Van Breukelen hielt im Finale einen Elfmeter von Igor Belanow. Jens Lehmanns berühmte Liste mit den Vorlieben der Elferschützen aus dem WM-Viertelfinale ist ein popliger Abklatsch von Hansens Pedanterie: Er führte sogar Karteikarten über das Verhalten seiner Gegner am Elfmeterpunkt.
FRANK RIJKAARD
Beinahe hätte er als erster schwarzer Trainer einer europäischen Topnation seinen EM-Triumph wiederholt, doch 2000 scheiterten die »Oranjes« unter seiner Leitung bei der Heim-EM eher an der eigenen Blödheit als am Halbfinalgegner Italien: Eine Gelb-Rote für Gianluca Zambrotta und zwei Elferpfiffe in der regulären Spielzeit reichten nicht zum Torerfolg, im Penaltyschießen wurden noch mal drei Schüsse vom Punkt versemmelt. Enttäuscht trat Rijkaard als Bondscoach zurück. Aber wenn schon nicht Europameister als Spieler und Trainer, dann Champions-League-Sieger. Der aktuelle FC-Barcelona-Chef ist einer von nur fünf Kickern, die an beiden Enden der Coachingzone die Königsklasse gewannen.
RONALD KOEMAN
Könnte die Marketingabteilung von Charmin-Klopapier auf Millionen verklagen. Sowohl Statur als auch Gesichtsausdruck des popsch-affinen Werbebären sind eindeutig dem jüngst von Valencia gefeurte Coach nachempfunden. Allerdings verwöhnte Koeman sein Hinterteil nicht mit vier Lagen, sondern zog sich nach dem 1988er-Halbfinale gegen die Deutschen genüsslich das eben von Olaf Thon ertauschte Trikot durch die Ritze. Tumulte auf den Rängen folgten, das Hamburger Publikum fühlte sich zu Recht verarscht. Übrigens: Laut einer Statistik von Christoph Biermann ist Koeman mit 193 Toren in 533 Erstliga-Spielen der mit Abstand torgefährlichste Defensivspieler aller Zeiten.
MARCO VAN BASTEN
Der Tabubrecher besiegelte mit seinem Volleytor zum 2:0 gegen die Sowjets den ersten Titel für die Titellosen. 1988 traf er in fünf Spielen ebenso oft, heute steht er als Bondscoach für die Abkehr vom kompromisslosen Sturm und Drang. In der Qualifikation haben die Holländer die wenigsten Gegentore aller Teams erhalten aber auch die wenigsten Treffer aller EM-Teilnehmer erzielt. Deshalb ist seine Amtszeit nach dem Turnier auch schon wieder vorbei, er geht zu Ajax Amsterdam. Wo übrigens Johan Cruyff nicht als Berater arbeiten wird, weil Van Basten sich weigerte, dessen Reformideen in der Nachwuchsarbeit kompromisslos mitzutragen. Dem Maestro widersprechen schon wieder so ein Tabubruch.
RUUD GULLIT
Hat als aktueller Coach von Los Angeles Galaxy und damit von David Beckham den wohl »interessantesten« Posten aller Alt-88er ergattert, die dem Fußball treu geblieben sind. Verletzungspech 1990 und ein Streit mit Bondscoach Dick Advocaat 1994 verhinderten den großen Wurf bei einer WM, auf Klubebene war er Teil der »foreign revolution« in der Premier League: Gemeinsam mit Stars wie Jürgen Klinsmann und Dennis Bergkamp wurde der Allrounder Mitte der 90er auf die Insel geholt, um die Liga aufzupeppen und langsam wieder ins internationale Spitzenfeld zu führen. Er arbeitete als Spielertrainer (Chelsea), Trainer (Newcastle, Feyenoord) und TV-Kommentator, seinen ersten Titel als »Fußballer des Jahres« widmete er 1987 Nelson Mandela. Seine langen Rastazöpfe sind mittlerweile ab, Gullit ist seit 2000 in dritter Ehe mit einer Nichte von Johan Cruyff verheiratet.
AUSSERDEM IN DER FINALELF VON MÜNCHEN
Berry van Aerle, Erwin Koeman, Adri van Tiggelen, Gerald Vanenburg, Arnold Mühren, Jan Wouters.






erscheint am 12. Juli 2013.
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