Die größte Enttäuschung

cache/images/article_2455_zolles_140.jpg Sporting Lissabon, Dinamo Moskau und Feyenoord Rotterdam – der SK Rapid konnte sich im Cup der Cupsieger 1995/96 gegen einige Favoriten durchsetzen. Das Finale gegen PSG in Brüssel haben Zoran Barisic und Dietmar Kühbauer dennoch nicht in bester Erinnerung.
Benjamin Schacherl | 13.04.2015

Niederlage ist das erste Wort, das mir zu dem Match einfällt“, sagt Dietmar Kühbauer. Die Enttäuschung hört man dem WAC-Trainer auch heute noch an, wenn er über das verlorene Europacupfinale von vor 19 Jahren spricht. Dabei war seine damalige Mannschaft, Rapid, als klarer Außenseiter in die Begegnung gegangen. Ein Umstand, der auch Kühbauers erstes Urteil abmildert: „Wenn man ein bisserl nachdenkt, muss man aber sagen, dass es eine großartige Leistung war, dass wir so weit gekommen sind.“

 

Trancezustand Endspiel
Das Finale wurde für die Hütteldorfer zu einem beeindruckenden Schlusspunkt einer erfolgreichen Europacupsaison. Unter den 37.000 Zuschauern im Brüsseler Stade Roi-Baudouin waren am 8. Mai 1996 etwa 12.000 Rapid-Fans. „Die Stimmung in den Tagen vor dem Finale war unglaublich. Im ganzen Land war eine unfassbare Euphorie zu spüren“, sagt der heutige Rapid-Trainer Zoran Barisic. „Wir waren vor dem Spiel sehr nervös, hatten aber gleichzeitig eine irrsinnige Vorfreude. Du bestreitest so ein Spiel wie in Trance.“ Barisic war damals Mittelfeldspieler der Wiener und zu Beginn der zweiten Halbzeit für Christian Stumpf eingewechselt worden. Rapid lag zu diesem Zeitpunkt bereits mit 0:1 zurück – was schließlich auch das Endergebnis sein sollte.

Dennoch boten die Wiener Gegenwehr. Vor allem Kühbauer, von 1992 bis 1997 Leistungsträger im Mittelfeld, lieferte sich einige hitzige Duelle mit seinen Gegenspielern Vincent Guerin und Daniel Bravo. „Immer, wenn ich an Bravo vorbei war, hat er mich gefoult. Guerin war auch so ein Fighter“, sagt er. „Wenn mir wer auf den Zeiger gegangen ist, wollte ich das auch zurückzahlen.“

Aus mit Applaus
Doch Rapid konnte nicht an die Leistungen der vorangegangenen Partien anknüpfen, in denen die Mannschaft rund um Spieler wie Michael Konsel, Trifon Iwanow und Peter Stöger unter anderem Sporting CP aus Lissabon, Dinamo Moskau und Feyenoord Rotterdam ausgeschaltet hatte. „PSG war in der ersten Halbzeit sehr stark. Erst in der zweiten wurde das Spiel offener“, sagt Barisic. Er hat sich das Match nie wieder angeschaut. „Das würde mir nichts geben. Es war ein riesiger Erfolg, aber auch die größte Enttäuschung meiner Karriere.“ Trotzdem lässt sich die Europacupsaison 1995/96 für die Rapid-Spieler nicht auf die Ergebnisse reduzieren. „Wir haben den Fans eine derbe Freude gemacht“, sagt Kühbauer. Ebenso wie Barisic bleiben ihm die Szenen nach Abpfiff in besonderer Erinnerung. „Die Standing Ovations der Fans nach dem verlorenen Finale werde ich nie vergessen. 20 Minuten lang haben sie einfach applaudiert und weiter gesungen. Wir waren am Boden zerstört, aber da habe ich kurz gedacht, dass wir die Sieger sind.“ 

 

Foto: Zolles

Referenzen:

Heft: 101
Rubrik: Thema
Verein: SK Rapid
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