Die komplizierte Nummer

cache/images/article_1533_maierhofer_140.jpg Über Sexgeschichten von Fußballern wird viel geredet und noch mehr geschrieben. Mit Sexualität sieht es etwas anders aus, auch wenn sich Kicker gern damit vermarkten. Eine Reise in die Welt des roten Lichts, der schönen Models und des tiefen Kabinenslangs mit Stefan Maierhofer, Frenkie Schinkels und ein paar offenherzigen Jungkickern, die lieber anonym bleiben wollen.
Das Tor, ein Orgasmus. Ein allzu oft gehörter Spruch. Aus dem Mund von Spielern, die es erzielt haben, und von Fans, die es bejubeln. Billige Sexvergleiche beschränken sich jedoch nicht auf die Protagonisten im Stadion, sondern machen auch vor der Wissenschaft nicht halt. Der italienische Sexualforscher Emmanuele Jannini sieht Fußball überhaupt als Stellvertreterspiel für Sex. Mit der simplen Begründung, dass porta, das italienische Wort für Tor, auf Latein mit Vagina übersetzt werde. Abseits davon gibt es aber auch geschmeidigere Ansätze für die Verbindung von Sex und Fußball. Zum Beispiel von Roland Girtler. »In der griechischen Mythologie ist Eros aus der Verbindung von Aphrodite, also der Göttin der Liebe, und Aris, dem Kriegsgott, entstanden«, sagt der Soziologe und Fußballfan. »Der Fußball hat genauso wie die Erotik mit Kampf zu tun. Auch List und Tricks spielen eine Rolle, da sehe ich Ähnlichkeiten.«

Maierhofers Waschbrett, Terrys Binde
Eine große Rolle spielt Sexualität bei der medialen Inszenierung von Fußballern der hetero- und neuerdings metrosexuellen. Der Waschbrettbauch und die rasierte Muskelbrust werden genauso gern hergezeigt wie fotografiert. Junge, durchtrainierte Männerkörper lassen sich gut verkaufen und man muss nicht David Beckham oder Cristiano Ronaldo heißen, um als Fußballer ein begehrtes Werbeobjekt zu sein. Das weiß auch Stefan Maierhofer. Der Ex-Rapidler und nunmehrige Duisburg-Stürmer stand erst kürzlich für ein Fotoshooting der Modedesigner Tiberius und Shakkei Modell, für die dritte Auflage des von Marlies Getz fotografierten »Stefan Maierhofer Kalenders« zeigt er noch mehr Haut. Maierhofer gefällt sich in der Rolle des Sexsymbols, Berührungsängste sind nicht seine Sache. »Wenn die Nachfrage da ist, solche Sachen zu machen, kann man schon von sich überzeugt sein«, sagt er zum ballesterer. »Ich finde es schön, wenn ich abseits des Rasens etwas machen kann, was mir Spaß macht und mir gefällt. Und es ist ja nicht alles zu sehen, obwohl das Promis für den Playboy durchaus machen.« Seine Privatsphäre sieht Maierhofer dadurch nicht verkauft: »Ich bin alleinstehend. Insofern ist es einfach, weil ich das mit mir selber ausmachen kann. Wenn ich eine feste Beziehung oder Kinder hätte, wäre das etwas anderes.«

Beziehungen jeglicher Natur sind neben den Kickerkörpern das zweite heiße Eisen, wenn es um Sex und Fußball geht. Mit den One-Night-Stands, Affären, Hochzeiten, Seitensprüngen, Krachs und Scheidungen von Fußballern und ihren WAGs (Wives and Girlfriends) lässt sich herrlich Quote und Auflage machen vor allem im Vereinigten Königreich mit seiner einzigartigen Yellow-Press-Industrie. Als Anfang September ruchbar wurde, dass Wayne Rooney seine schwangere Frau im Vorjahr mit der Prostituierten Jenny Thompson betrogen hatte, widmete das Massenblatt News of the World der Geschichte 16 Seiten in nur einer Ausgabe. Mit dem frisch geschiedenen Ashley Cole, der sich während der WM Nacktfotos von einer Facebook-Bekanntschaft nach Südafrika schicken ließ, und Peter Crouch, der in Madrid mit einer Prostituierten im Taxi intim wurde und den Fahrer als Übersetzer einspannte, standen innerhalb weniger Wochen zwei weitere Teamspieler am Pranger des englischen Boulevards.

Die Berichterstattung über das Sexualleben der Fußballstars dringt aber nicht nur immer weiter in deren Privatsphäre vor, durch das enorme Aufsehen, das darum gemacht wird, nimmt sie auch Einfluss auf sportliche Belange. Die Affäre von John Terry mit der Freundin seines damaligen Chelsea-Teamkollegen Wayne Bridge schlug vor der WM dermaßen hohe Wellen, dass sich Englands Teamchef Fabio Capello dazu genötigt sah, Terry die Kapitänsbinde zu entziehen. »Als Kapitän hat er sich gut verhalten, aber ich habe auch andere Dinge zu berücksichtigen«, begründete Capello den Schritt. Und auch für Rooney hatte der jüngste Seitensprung nicht nur private Konsequenzen. Am 11. September fehlte der Stürmerstar von Manchester United im Auswärtsspiel gegen seinen Ex-Klub Everton, um ihn vor der Häme der Liverpooler Fans und dem Anblick geschwenkter Gummipuppen zu schützen.

Kein Ribery im katholischen Österreich?    
Die Sexskandale beschränken sich aber bei weitem nicht auf die englischen Klatschspalten. In Deutschland wurden die Beziehungen von Lothar Matthäus zu gerade volljährigen Frauen ebenso peinlich genau durchleuchtet wie die Affäre von Michael Ballack mit der Frau seines ehemaligen Bayern-Mitspielers Christian Lell. Die Sexabenteuer von Franck Ribery und Karim Benzema mit der 17-jährigen Edelhostess Zahia Dehar sorgten nicht nur in Frankreich für Schlagzeilen, Anspielungen darauf finden sich sogar in Fernsehwerbungen: So bot die Fluglinie Corsair verbilligte Tickets für Paare an, wobei eine der Karten im Spot auf den Namen Zahia ausgestellt war.

In Österreich dagegen ist es schon ein Skandal, wenn im Raum steht, dass ein Erotikshop einen Fußballverein sponsern will. So geschehen in den 1990er Jahren mit Beate Uhse und dem Wiener Sport-Club. Sexgeschichten über Fußballer erfährt man selbst in Journalistenkreisen nur hinter vorgehaltener Hand, berichtet wird darüber fast nie. Der Scheidungskrieg im Hause Polster ist einer der wenigen Ausreißer aber auch hier verhielten sich heimische Boulevardblätter wie News und Österreich im Vergleich zur internationalen Konkurrenz wie Zentralorgane der katholischen Kirche, als deren Anhänger sich der untreue Toni Zeit seiner Karriere gern inszeniert hatte. Für Roland Girtler liegt das neben unterschiedlichen Medienkonstellationen an alten Traditionen, die uns erneut beim Katholizismus landen lassen. »Vielleicht sind die Journalisten aber auch fairer bei uns«, meint der Soziologe. In ein ähnliches Horn stößt Frenkie Schinkels, zuletzt Trainer bei Austria Kärnten und der Vienna. »Diese Skandale würde es in Österreich auch geben, sie kommen aber nicht raus. In England gibt es viele Frauen, die nur darauf warten, mit Rooney ins Bett zu steigen und dann die Sun anzurufen«, meint Schinkels. »So wie Fußballer ihre Manager haben, gibt es die auch bei den Huren. Und das sind für mich Huren, weil sie einen Promi benützen, um selbst in die Medien zu gelangen.« ...

 

Lesen Sie den gesamten Artikel in der aktuellen Printausgabe des ballesterer (Nr. 56/Oktober 2010) Ab sofort österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Referenzen:

Heft: 56
Rubrik: Thema
ballesterer # 82

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