Der Sendungsverantwortliche Gerhard Lackner bestätigt diese Einschätzung und ist voll des Lobes für die Arbeitseinstellung seines Experten: »Der Herbert ist immer perfekt vorbereitet und extrem auf Pünktlichkeit bedacht. Wenn wir eine Besprechung haben, ist er mindestens eine halbe Stunde vorher da. Manchmal auch eine Stunde.«
Keine Notizen, keine Zeichnungen
Kurz vor Beginn der Übertragung wird Prohaska gefragt, wie man Napoli-Trainer Walter Mazzarri schreibe. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: »Doppel-Z, Doppel-R.« Auch hinsichtlich der Taktik und des Spielsystems der Süditaliener zeigt sich Prohaska sattelfest, das Abo der Gazzetta dello Sport macht sich bezahlt. Niedergeschrieben werden die Rechercheergebnisse aus diversen Fachblättern aber nicht: »Notizen brauchen wir keine.« Im grellgrünen Studio, in dem nur das Pult echt ist, rennt auch Sekunden vor dem Live-Einstieg noch der Schmäh. Prohaska und Pariasek nehmen im Schnellverfahren die Themen Griechenland, Winterreifen und neuer Stauffenberg-Film durch.
Während des Spiels zurück in der Sitzecke macht Prohaska aus seiner Vorliebe für den italienischen Fußball kein Hehl. »Gemma, Napoli!«, entfährt es ihm. Pariasek bedient indes die Highlight-Box am Tisch, mit der Szenen für die Analyse ausgewählt werden. Mario Gomez erzielt aus abseitsverdächtiger Position das 2:0 für die Bayern, Lackner scherzt: »Das soll der Herbert live auf Sendung einzeichnen.« Prohaska lacht: »Aber ihr übernehmts die Verantwortung.« Der frühere Sportchef Hans Huber erklärt: »Als dieses Gerät für die EM 2004 angeschafft wurde, wollte Sportchef Elmar Oberhauser, dass wir ständig zeichnen. Der Herbert hat gemeint: Was soll das, wenn der Spieler fünf Meter im Abseits war? Das hat jeder gesehen.«
Bremsen, Leguane, Fallfehler
Beflügelt von Napolis 1:3 eilt Prohaska zur Pausenanalyse, die der Regie wieder einmal zu lange ausfällt. »Kaum bin ich in Fahrt, bremsens mich auch schon wieder ein«, moniert er, wittert aber in der zweiten Hälfte, als das Spiel verflacht, seine Chance: »Gerhard, kann ich länger reden?« Am Ende siegen die Bayern 3:2, das Gespräch kommt auf Autos. Ein Regiemitarbeiter erzählt, wie zufrieden er mit seinem Peugeot Tiguan sei. Prohaska schiebt die nächste Wuchtel: »Tiguan? Ich hab einmal einen Leguan ghabt.«
In den Gesprächen abseits der Kamera kippt Prohaskas Sprache zusehends ins Wienerische. Mit der Grammatik gerät er an diesem Abend nicht in Konflikt. »Seine Fallfehler machen ihn sympathisch, ich wollte ihn nicht umschulen«, sagt Hans Huber. »Natürlich sollte ich so sprechen, dass ich verstanden werde, das gehört sich so«, sagt Prohaska. »Wenn ich nur im Simmeringer Dialekt rede, gibt es in Vorarlberg oder Innsbruck vielleicht ein Problem.« Vom ORF gebe es nur eine Vorgabe: »Ich soll nicht sagen: Bitte umschalten! Das heutige Match wird ein torloser Nudelkick.«






In seinen elf Jahren als TV-Analytiker ist Herbert Prohaska zu einer Institution in Österreichs Wohnzimmern und Wettcafés geworden. Bei einem Blick hinter die Kulissen lässt der ORF-Experte auch den Schmäh nicht vermissen.
erscheint am 12. Juli 2013.
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