Eine andere Art taktischen Foulspiels ist von der FIFA-Bestimmung augenscheinlich nicht erfasst. Was macht ein gewiefter Coach mit wenig Skrupel, wenn er befürchten muss, dass seine Mannschaft überrannt, von einem spielstarken Gegner an die Wand gespielt wird oder sie einfach einen knappen Vorsprung über die Zeit bringen muss? Er weist seine Spieler an, im Mittelfeld möglichst viele kleine Fouls zu machen, um den Spielfluss des anderen Teams zu brechen. Zwar kommt es vor, dass einzelne Spieler wegen wiederholten Foulspiels verwarnt werden, kollektives taktisches Hineingrätschen wird jedoch in der Regel nicht sanktioniert. Vielleicht wäre es zu viel verlangt, vom Schiedsrichter die dafür nötige taktische Bewertung des Spielverlaufs einzufordern. Dem schönen Spiel wären Verwarnungen in solchen Fällen aber förderlich.
Foul, taktisches
In den »Zusatzbestimmungen und Richtlinien für Schiedsrichter« hält die FIFA zur Regel 12 fest: »Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen, wenn er zur Unterbindung oder Verhinderung eines vielversprechenden Gegenangriffs ein taktisches Foul begeht.« Ein taktisches Foul ist also im Gegensatz zu einem »normalen« unsportlich.
Klaus Federmair | 04.08.2008
Eine Definition ist weder im Regelwerk selbst, noch in den Zusatzbestimmungen zu finden. Der Hinweis auf die Verhinderung eines vielversprechenden Gegenangriffs deutet aber in Richtung der landläufig im Mittelfeld begangenen Fouls: Der Ball geht am Mittelkreis verloren und um einen gefährlichen Konter erst gar nicht zuzulassen, wird der Gegenspieler sofort gefoult. Der Freistoß über 50 Meter vom Tor entfernt stört nicht weiter, eine Gelbe Karte schon eher. Die Einstufung als verwarnungswürdiges »unsportliches Betragen« sollte also ein taugliches Mittel sein, solche Vergehen weitgehend zu unterbinden.






erscheint am 12. Juli 2013.
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