Foultypen

Foul ist nicht Foul. Eine Übersicht über die gängigsten Praktiken an fußballerischen Regelwidrigkeiten.
Klaus Federmair | 06.11.2008
Beinstellen
Das klassische Foul, seit über hundert Jahren bewährt im Zweikampf. Ein Tritt Richtung Ball reicht meistens, um diesen vom Gegenspieler zu trennen, auch wenn man Letzteren trifft. Am Ende kann man immer noch behaupten, auf Ersteren gezielt zu haben.

Verstecktes Foul
Die hohe oder auch tiefe Schule des Foulspiels. Wichtig ist, vom Schiedsrichtertrio unbemerkt zu agieren. Die plumpeste Variante ist der Tritt abseits des Spielgeschehens. Riskanter und dadurch anspruchsvoller sind unfaire Attacken von Verteidigern beim Eckball, weil als Sanktion ein Elfmeter droht. Beliebt in dieser Kategorie: der Tritt auf des Stürmers Zehe, das Umklammern seines Armes und nicht selten auch der strenge Griff an die Hoden.

Der Gstreckte
Ebenfalls ein Klassiker, obwohl er in keinem Regelbuch als solcher aufscheint. Auch wenn zuerst der Ball getroffen wird, verfehlt das attackierende Bein seine destruktive Wirkung nicht, wenn es durch das Durchstrecken die Gewalt des eigenen Körpers am gegnerischen entlädt. Wer besonders kaltblütig ist, kann anschließend mit einem unschuldigen »I hob jo nur den Boi gspüt« den offenen Schien- und Wadenbeinbruch des Gegenspielers kommentieren.

Ellbogencheck
Riskant, aber wirkungsvoll ist der Einsatz des Ellbogens im gegnerischen Gesicht. Ohne Sanktion kommt man am ehesten weg, wenn man im Luftkampf die natürliche Ausholbewegung der Arme beim Absprung ausnützt.

Verspätetes Tackling
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, soll Michail Gorbatschow gesagt haben. Wie wahr nicht selten rutschen etwas langsame Verteidiger in der Überzeugung, mit einem sauberen Tackling den Ball erobern zu können, einem doch etwas zu schnellen Stürmer mit vollem Karacho in die Beine und kassieren ihre Gelbe Karte. Unerreicht im late tackle ist Robert Pecl, bei dem man ein Jahrzehnt nach seinem Karriereende den Eindruck hat, er habe bei den meisten seiner Fouls wirklich den Ball spielen wollen.

Notbremse
Wie bei der Eisenbahn wird sie auch im Fußball nicht abzuschaffen sein. Selbst wenn sie durch die heutzutage angedrohte Torraub-Rote vom Aussterben bedroht zu sein scheint, wird es immer Situationen geben, wo ein Abwehrspieler sich (und gegebenenfalls auch gleich den entwischten Stürmer) opfert, um ein Gegentor zu verhindern.

Taktiktritt
Er gehört zum Rüstzeug des klugen und skrupellosen Defensivspielers. Droht ein schneller Konter, gibt es nur eine Devise: Ein Foul muss her, wurscht, was für eins. Hauptsache der gegnerische Spielfluss ist unterbrochen, und das eigene Team kann sich wieder formieren.

Leiberlziehen
Die Modeerscheinung der letzten Jahre tritt in jedem Match dutzende Male auf. Die Haute Couture des Sportjournalismus spricht lässig von »Textilvergehen«. Als Mittel im Zweikampf ist es oft nicht besonders wirkungsvoll, von den Schiedsrichtern wird es in dem Bruchteil der Fälle, in denen sie es erkennen können häufig übertrieben streng sanktioniert.

Kopfstoß
Er ist nicht erst seit der Begegnung Zidane Materazzi die mystische Überhöhung des Kampfes Mann gegen Mann. Die Momente sind rar, in denen zwei Fußballspieler einander Aug in Aug gegenüberstehen, meistens ist eine größere Prise Hass im Spiel. Wenn sich dieser entlädt, bietet der Kopfstoßer dem Feind sich vor ihm verneigend die Stirn. Im nächsten Moment fließt das Rot meist aus des Gegenspielers Nase und aus des Schiedsrichters Brusttasche.

Referenzen:

Heft: 37
Rubrik: Thema
ballesterer # 82

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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