Franks Trauzeugen-Connection

Noch vor fünf Jahren konnten sie sich nicht riechen. Mittlerweile gehen Hannes Kartnig und Frank Stronach nicht nur gemeinsam auf den Opernball.
Martin Schreiner | 01.09.2005
Der SK Sturm ist nicht der einzige Fußballklub, der Unterstützungen von Frank Stronach erhalten hat. Doch bei der Prüfung der Frage, welchen Platz die Schwarz-Weißen im Netzwerk des geborenen Weizers Stronach einnehmen, stößt man unweigerlich auf die Untiefen autoritärer Persönlichkeiten. Sowohl Kartnig als auch Stronach regieren ihre Vereine nach dem Prinzip der fürstlichen Souveränität.
Dabei mochten sich Kaiser Frank und König Hannes zu Beginn gar nicht leiden. Neben Rapid war Sturm lange Zeit der einzige Verein, der sich der imperialen Expansionspolitik des Autozulieferers widersetzte. So stand Kartnig Stronachs Konzept eines TV- und Wettkanals kritisch gegenüber. Er stimmte als einziger Vereinspräsident im Februar 1999 gegen den Austrokanadier als Bundesligapräsidenten und wetterte lange gegen die Vorherrschaft der »Stronach-Partie« im österreichischen Fußball.
Doch Wetterperioden schlagen vor allem in Zeiten des Klimawandels schnell um und so kamen sich die beiden Autokraten in persönlichen Begegnungen näher. Auffällig dabei ist, dass die Kartnigsche Sympathiekurve für den Austria-Präsidenten entgegengesetzt zu jener des stockenden Erfolgslaufes des SK Sturm verlief. Schon beim Feldhofer-Urteil im Winter 2001 suchte der Sturm-Präsident die Stronach-Intervention und fand dessen Zustimmung, beide zusammen fanden allerdings auch die ÖFB-Statuten. Als im Frühjahr 2002 die ersten Finanzprobleme des damaligen Champions-League-Teilnehmers prognostiziert wurden, waren auch Franks Wettkanalidee und eine eventuelle Sponsorunterstützung nach der Puntigamer-Zeit wieder sympathischer. Im Sommer 2003 dann der Höhepunkt: Stronach fungierte als Kartnigs Trauzeuge und Initiator des Projekts einer nie realisierten Sturm AG, an der er eine Kapitalbeteiligung hätte halten sollen.
In der Folge kam es zu einer Serie von Transfers von Austria-Spielern nach Graz, bei denen der Sturm-Präsident auf die Unterstützung Stronachs im Streitfall auch gegen dessen eigene Funktionäre zählen konnte. Rückblickend diente Sturm der Austria dabei als Abstellgleis für Kicker, die im Chaos der Kronsteiner-Ära den Klub verlassen mussten. Bei Sturm erfuhren sie eine Offenbarung ihrer fußballerischen Qualität. Martin Hasek kam über Kurzeinsätze nicht hinaus und der von der Presse gehypte Thomas Mandl entpuppte sich als sympathischer Durchschnittstormann. An Frank Verlaat und Roland Linz konnten hingegen die ersten konkreten Unterstützungsleistungen für den SK Sturm festgemacht werden. Der holländische Vollprofi stabilisiert die Sturm Abwehr bis heute massiv und der Stürmer aus der Obersteiermark entwickelte sich zu einer gefestigten Sportlerpersönlichkeit.
Der turbulente Leihtransfer von Linz nach Graz kam im Übrigen erst durch ein Machtwort des Austria-Mäzens zustande und wurde so zum Anfang der Demontage von Toni Polster als Generalmanager des FAK. Womit sich der Kreis der Persönlichkeitsstrukturen schließt. Denn: Majestätsbeleidigung von Untertanen spielt es nicht in der Monarchie. Und zwischen den Herrscherhäusern gibt es entweder Krieg oder Hochzeit. Bleibt die Frage nach dem Profit für den Austria-Magnaten: Irgendwann wird der Kaiser Frank schon noch einmal den König Hannes anrufen.   

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Heft: 18
Rubrik: Thema
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