Für immer der Held von Berlin

cache/images/article_2084_dickel_joho_140.jpg Er ist die Stimme von Borussia Dortmund im Stadion­ und im Internet: Stadionsprecher, Radiokommentator und Imbissbudenbesitzer Norbert­ Dickel steht für die lauten Töne und die Tugenden des Ruhrpotts. Als Spieler hat er für den Verein alles gegeben - das danken ihm die Fans noch heute.
Simon Weyer | 13.05.2013

Sie haben es probiert. Bei McDonalds gab es Anfang Februar die »McCurrywurst« aus der Wurstfabrik von Uli Hoeneß. Nach vier Wochen war das Experiment in Dortmund gescheitert. Die Bevölkerung bevorzugt die traditionellen Imbissbuden, speziell den »Wurst-Willi« in der Innenstadt. Dort bilden sich am Wochenende schon mal Schlangen von 50 Menschen. »Currywurst ist eine Kultur«, sagt Norbert Dickel in seinem Büro in der BVB-Geschäftsstelle. »Du kannst nicht einfach sagen, ich fahre jetzt zu McDonalds und schmeiß mir eine Currywurst ins Auto. Das passt nicht.«

Sportinvalider Held
Currywurst bedeutet in Dortmund Identität. Daher ist es auch fast angemessen, dass die Gründungsstätte von Borussia Dortmund am Borsigplatz mittlerweile einen Imbiss beheimatet. Und Stadionsprecher Dickel kommt bei seinem Lieblingsthema sowieso ins Schwärmen - von der perfekten Soße (»30 Prozent Orangensaft«), dem besten Frittenfett und der eigenen Pommesbude, die er vor einem Jahr eröffnet hat. Aus historischer Sicht hat sich Norbert Dickel seinen Platz im Gedächtnis und Herzen der Dortmunder Fußballgemeinde allerdings am Spielfeld gesichert. Der Stürmer wurde zum Helden von Berlin.


Dickel verschränkt die Arme und blickt auf die Bürowand vor sich. In einem lebensgroßen Fresko setzt er darauf zum Torjubel an. »Das war nach dem 1:1 in Berlin.« Das Spiel an diesem 24. Juni 1989 in Berlin ist sein Spiel. Dortmund hatte 23 Jahre lang keinen Titel gewonnen. Bis zu diesem Pokalfinale gegen Werder Bremen. Dickel hatte davor aufgrund eines Knorpelschadens und einer Meniskus-Operation kaum trainiert. Noch am Abend vor dem Finale wurde ihm Flüssigkeit aus dem Knie gezogen. Dickel spielte trotzdem - und schoss beim 4:1 zwei Tore. Danach bestritt er nur mehr sechs Spiele für die Borussia, ein echtes Comeback gelang ihm nicht mehr. Norbert Dickel war sportinvalid.

Arbeiten für den BVB
Dafür dass er seine Gesundheit dem Verein opferte, widmeten die Fans ihm einen eigenen Gesang. Wenn Dickel heute vor der Südtribüne die Mannschaftsaufstellung verliest, schallt es: »Jeder kennt ihn, den Held von Berlin.« Seinen Stolz darüber versteckt Dickel in Bescheidenheit: »Es gibt Fußballerhelden. Das hat nichts mit den Helden zu tun, die Menschenleben retten.«


Nach den Zweitligazeiten in den 1970er Jahren und den durchschnittlichen Tabellenplätzen in den 1980er Jahren markierte der Pokalsieg einen emotionalen Wendepunkt, er erzeugte eine Aufbruchsstimmung in der Stadt. Seine eigene Popularität führt Dickel aber auf einfachere Tugenden zurück: das Arbeiten, eigentlich das Schwerarbeiten oder Malochen, wie man in Dortmund sagt. »Die Leute haben irgendwann gesagt: »Das ist Ruhrgebiet. Der kämpft bis zum Letzten.«« Solange der Spieler alles gibt, sei der Fan zufrieden, sagt er. Nach seinem Karriereende blieb Dickel dem Verein als fannaher Entertainer erhalten. Nach Jobs bei Sponsoren und Ausstattern wurde er 1996 vom Verein angestellt. Neben seiner Tätigkeit als Stadionsprecher kommentiert er heute für das BVB-Netradio die Spiele der Borussia im Internet. Entgleisungen und emotionale Ausbrüche inklusive. Als er 2011 Schiedsrichter Wolfgang Stark einen Blinden nannte, musste er 2.500 Euro Strafe an die DFB-Stiftung zahlen. »Was ich da mache, ist meine Natur. Wenn jemand neben das Tor schießt, ist das scheiße, nicht schade. Nur ihr Journalisten dürft das nicht schreiben.«

 

 


Die neue Bundesliga Saison startet bald wieder mit spannenden Duellen u.a. zwischen BVB Borussia Dortmund gegen Bayern München. Alle Infos dazu gibt's auf fussball-live-wetten.de



Referenzen:

Heft: 82
Rubrik: Thema
Thema: Deutschland
ballesterer # 117

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 13.12.2016.

Abo bestellen

Leserbrief

an den ballesterer_web_small.png