Große Wunder in Athen

Sie bloß Multimillionäre zu nennen, würde ihnen Unrecht tun. Die Präsidenten der drei Athener Großklubs sind Oligarchen. Ihr Einfluss erstreckt sich weit über den Fußballplatz – und sie bekriegen einander.

Moritz Ablinger | 11.11.2015

Die Ähnlichkeiten sind verblüffend. Giannis Alafouzos, Evangelos Marinakis und Dimitris Melissanadis sind mit Schiffs- und Ölhandel reich geworden. Alle drei stecken einen Teil ihres Vermögens in den Athener Fußball. Und alle drei hatten wiederholt Probleme mit dem Gesetz.

Zuletzt war mit Marinakis der Geldgeber von Olympiakos von Ermittlungen wegen Spielmanipulation betroffen. Der Reeder und Ölmagnat, dessen Vermögen auf 1,1 Milliarden Dollar geschätzt wird, darf deswegen zurzeit nicht aktiv ins Fußballgeschehen eingreifen. Schon zuvor war gegen Marinakis ermittelt worden. Denn in seiner Rolle als Präsident von Olympiakos und der griechischen Super League soll er 2010 und 2011 an systematischen Spielmanipulationen beteiligt gewesen sein. Im Juli 2015 wurden diese Ermittlungen eingestellt, andere, die Spielabsprachen zwischen 2011 und 2013 betreffen, sind allerdings noch in Gange.

Auch gegen Dimitris Melissanidis wurde schon wegen Schiedsrichterbestechung ermittelt – allerdings in den 1980er Jahren. Es kam zwar zu erstinstanzlichen Verurteilungen, bestraft wurde der Unternehmer allerdings nie. Dem rund 3,4 Milliarden Dollar schweren Melissanidis gehört die zweitgrößte Ölraffinerie des Landes, er war bereits in den 1990er Jahren kurzzeitig Präsident von AEK und übernahm den abgestiegenen Verein im Juni 2013. Wenige Monate zuvor soll er einem Journalisten nach Berichten zu Ölschmuggel Gewalt angedroht haben. Der Bedrohte klagte, vor Gericht schaffte es die Angelegenheit allerdings bis heute nicht. Im November 2014 warf Marinakis Melissanidis zudem vor, hinter dem gewalttätigen Angriff auf einen Schiedsrichter zu stecken. Auch diese Causa wartet auf Klärung.

Der kleine Mann
Im Vergleich zu Marinakis und Melissanidis ist Panathinaikos-Präsident Giannis Alafouzos ein armer Mann. Sein Vermögen wird auf 150 Millionen Dollar geschätzt. Seinen Reichtum verdankt er ebenfalls dem Öl- und Schiffshandel, heute gehört ihm mit der SKAI Group eines der größten Medienunternehmen des Landes.

Immer wieder wird dort kritisch über andere Oligarchen berichtet, besonders die Feindschaft zwischen Alafouzos und Marinakis ist gut dokumentiert. Nachdem im Februar 2015 das Derby zwischen Panathinaikos und Olympiakos abgebrochen worden war, trafen sich die zwei Präsidenten im Ligaverband zur Aussprache. Glaubt man dem Journalisten Nikolas Leontopoulos sollen sich danach wilde Szenen abgespielt haben. Marinakis soll Alafouzos an den Kopf geworfen haben, ein Gauner zu sein, woraufhin der Panathinaikos-Präsident geantwortet habe: „Atmen Sie tief durch, und beruhigen Sie sich, Sie können ja bei all dem Fett kaum sprechen.“ Daraufhin soll der Olympiakos-Präsident ein Glas in Richtung Alafouzos geworfen haben. „Es grenzt an ein Wunder, dass die Ermittlungen gegen diese drei immer wieder im Sand verlaufen“, sagt Leontopoulos. „Aber an Wunder glaube ich nicht so wirklich.“  

Referenzen:

Heft: 107
Thema: Griechenland
ballesterer # 120

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